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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Alexander Kluge

Chronik der Gefühle

14 Audio-CDs

Cover: Chronik der Gefühle

Antje Kunstmann Verlag, München 2009
ISBN-10 3888975883
ISBN-13 9783888975882
CD, 58,00 EUR

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Klappentext

14 CDs, 729 Minuten. Gelesen von Hannelore Hoger, Sandra Hüller u.a. In der "Chronik der Gefühle" hat Alexander Kluge alle seine Erzählungen versammelt und begreift sie als Einheit: Basisgeschichten und Lebensläufe. Was bewegt den Friedhofsgärtner im Zweiten Weltkrieg? Was die junge Chinesin bei einer Internet-Recherche zur europäischen Oper? Worin besteht die Verbindung von fünf Frauen aus der Betriebsküche Harms & Co.? Und wie ambivalent sind die Gefühle einer Frau nach 37 Jahren Ehe? In Alexander Kluges Erzählungen verweben sich persönliche Erlebnisse mit Zeitgeschichte, es geht ihm um das Einzelschicksal genauso wie um kollektive Lebensprogramme.
"Die Gefühle", sagt er im Vorwort zu seinem Werk, "sind überall, man sieht sie nur nicht. Die Gefühle beleben (und bilden) die Institutionen, sie stecken in den Zwangsgesetzen, in den glücklichen Zufällen, agitieren an Horizonten, bewegen sich über diese hinaus in Galaxien. Sie finden sich in allem, was uns angeht." Und: "Was die Menschen brauchen in ihren Lebenläufen, ist Orientierung. So wie Schiffe navigieren."
Das Hörspiel folgt der Kapitelstruktur der zweibändigen Chronik und erzählt vielstimmig von der Komplexität menschlicher Lebensläufe, von den Handlungsspielräumen und Möglichkeiten jedes Einzelnen, von Scheinveränderungen und realen Metamorphosen. Im Gespräch mit dem Regisseur Karl Bruckmaier reflektiert Alexander Kluge Passagen der Chronik.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.10.2009

Einer echten Herzensangelegenheit hat Tobias Lehmkuhl da gelauscht. Die vielen überraschenden Momenten des 2000-seitigen Textes und Alexander Kluges Witz, seine besondere Diktion, Neugierde, Assoziationskraft und Tiefenschärfe sieht Lehmkuhl durch Karl Bruckmaiers Höradaption kongenial verwandelt, wenn nicht noch gesteigert. Dass der Regisseur Musik und Geräusche einsetzt und Episode, Lesung, Dialog und Interview einander abwechseln lässt, empfindet der Rezensent als Gewinn. Kluges "Minutenfilme" mit Minutensongs einzuleiten - eine tolle Idee, findet Lehmkuhl und erkennt darin keine Künstlichkeit, sondern den Versuch, der facettenreichen Vorlage gerecht zu werden. Ebenso wirkt auf ihn der Einsatz von Kluges Stimme. Keine Könner-Stimme, meint er. Aber ihre Getriebenheit und ihr Enthusiasmus macht sie für Lehmkuhl genauso hörenswert wie diejenige der anderen an diesem abwechslungsreichen Hörerlebnis beteiligten Sprecher.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2009

Alexander Kluges "Chronik der Gefühle", das jetzt in einer Hörstück-Inszenierung von Karl Bruckmaier in 14 Episoden Leitthemen von Kluges Wissens- und Erzählkosmos vorführt, hat es dem Rezensenten Wilhelm Trapp angetan. Kein Hörspiel im eigentlichen Sinne verwendet es doch Texte des Buches, eingeleitet durch orientierende "Leitfragen", die den Stoff bündeln und ordnen, erklärt der Rezensent. Als Beispiele für Kluges "typische Erzählformen" nennt er seinen "genialen Vorschlag" zur Inszenierung der Götterdämmerung oder die großartige Geschichte von fünf unter ihrem Übergewicht leidenden Köchinnen, die sich in einer gemeinsamen Fantasie als Seekühe imaginieren. Verbunden sind die einzelnen Episoden durch Kompositionen von Popkünstlern wie Lali Puna oder den Bananafishbones, die das Buch auch künstlerisch weiterführen, wie Trapp eingenommen bemerkt. Die einzelnen Stücke wurden von einer Vielzahl von Autoren und Schauspielern eingelesen, wobei Kluges Stimme in den Augen des Rezensenten den verbindenden "Mittelpunkt" bildet. Die meisten Vorleser, hat man den Eindruck, haben Trapp gut gefallen, explizit lobt er die Sprödigkeit Hannelore Hogers und Bruckmaiers sowie Elfriede Jelineks authentische Stimmlage. Da fällt für ihn lediglich Ilja Richter heraus, dessen geschliffene Vortragsweise unfreiwillige Ironie hineinbringt, wie er findet.

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