Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Chinesischen von Katrin Buchta. China Ende der fünfziger Jahre: Maos "Großer Sprung nach vorn" endet in der größten Hungerkatastrophe der Geschichte. Überall im Land werden die alten Eliten massenhaft als "Rechtsabweichler" in Umerziehungslagern interniert, so auch in dem abgelegenen Ort Jiabiangou. Bis in die neunziger Jahre blieb das Massensterben, das sich dort abspielte, politisches Tabu. Dann begann Yang Xianhui, nach Überlebenden zu fahnden und ihnen in Protokollen Stimme und Gesicht zu geben. Erstmals sprechen die Opfer selbst, berichten über die alltäglichen verlorenen und gewonnenen Kämpfe um ihre Menschlichkeit.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2009
Leider nur in einer sehr kurzen Kritik beschäftigt sich der Sinologe Helwig Schmidt-Glintzer mit diesem Band, in dem der chinesische Autor Yang Xianhui Berichte von ehemaligen Insassen des Arbeitslagers Jiabiangou versammelt. Spannend und ergreifend nennt der Rezensent diese Dokumente, er erwähnt kurz einzelne Schicksale und würdigt sie abschließend als Zeugnisse aus einer "Untergangszone der Menschheit".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.10.2009
Erschütternd haben diese in Interviews gesammelten Schilderungen vom Arbeitslager Jiabiangou auf Renate Wiggershaus gewirkt, die der chinesische Schriftsteller mit Überlebenden geführt hat. Noch heute findet die Rezensentin die Perfidie bestürzend, mit der die Menschen durch Maos "Hundert-Blumen-Kampagne" verleitet wurden, Kritik und Verbesserungsvorschläge zu machen, wofür sie anschließend mit Zwangsarbeit bestraft wurden. In diesem Buch, das größtenteils die Überlebenden selbst sprechen lässt, überwiegt ein lakonischer Ton, der die entsetzlichen Zustände des Lagers drastisch vor Augen führt, so Wiggershaus beeindruckt, die auch die Übersetzung vorzüglich findet.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.10.2009
Eindrucksvoll und bedrückend findet Rezensent Christian Semler diese Dokumentation von Schicksalen Überlebender aus einem chinesischen Umerziehungslager, das im Zuge einer Säuberungskampagne gegen Intellektuelle Ende der Fünfziger Jahre errichtet worden war. Von den 3000 Intellektuellen, die dahin "verbracht" worden waren, hätten nur etwa 500 überlebt. Hundert von ihnen habe der ehemals "glühende Rotgardist" Yang Xianhui aufspüren und ihr Vertrauen gewinnen können. Neunzehn Interviews schließlich seien 2003 in China zu einem Buch zusammengefasst worden, wie Semler schreibt, das wegen der Zensurgesetze jedoch nur als "fiktionale Dolumentation" erscheinen konnte. Sieben dieser Geschichten nun versammele die deutsche Ausgabe. Semler ist beeindruckt und bewegt, mit welch unterschiedlichen Strategien die Befragten das Lager überlebten. Die schockierenden Details und die Kaltblütigkeit der Funktionäre erschrecken den Rezensenten heute noch. Eins hätten die Befragten gemeinsam: den Wunsch, "die Erinnerung an jene wachzuhalten, die namenlos und ohne Grab haben sterben müssen".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.10.2009
Erinnerungsliteratur hat in China derzeit Hochkonjunktur, erzählt Rezensentin Susanne Messmer und stellt gleich drei Bücher im Stil der Oral History vor, die sich gegen die einseitige offizielle Geschichtsschreibung Chinas zur Wehr setzen. Eines dieser Bücher ist Yang Xianhuis "Die Rechtsabweichler von Jiabiangou" - für Messmer das möglicherweise bedeutendste chinesische Buch zum Leben im Lager seit Harry Wus "Nur der Wind ist frei". Der Band enthält Interviews mit ehemaligen Häftlingen über das Leben in einem Umerziehungslager in den fünfziger Jahren. Messmer zeigt sich besonders beeindruckt von der bildreichen und klaren Erzählweise der Interviewten. Dem Autor bescheinigt sie "unendlich viel Mühe, Geduld, Sorgfalt und Einfühlungsvermögen". Sie wünscht diesem Buch, das kann man fast jeder Zeile ihrer Besprechung entnehmen, viele Leser.
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