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Friedrich Dieckmann
Deutsche Daten oder Der lange Weg zum Frieden
Klappentext
1945, 1949, 1953, 1961, 1989 - jede dieser Jahreszahlen steht für bedeutende Entscheidungspunkte der deutschen Geschichte. Von heute aus gesehen, ist der Blick oft unscharf dafür, dass die Geschichte, so wie sie verlaufen ist, nicht zwangsläufig hat verlaufen müssen. Die Daten bezeichnen Schwebezustände der letzten 60 Jahre, in denen Geschichte plötzlich zum Drama wird, weil ihnen noch ganz verschiedene Möglichkeiten innewohnten.
Friedrich Dieckmann richtet seinen Blick genau auf diese Momente, und er fördert oft Überraschendes zutage: Etwa in der detaillierten Beschreibung der Interessenlage der verschiedenen Machtzirkel im Kreml 1953, die erst in den letzten Jahren durch geöffnete russische Archive möglich wurde: Im Ergebnis hat der "Volksaufstand" des 17. Juni in der DDR Ulbrichts Herrschaft zementiert, was freilich die Demonstrierenden in Berlin und anderswo nicht ahnen konnten und was die Tragik der Ereignisse nur noch vergrößert. Ähnlich minutiös untersucht Dieckmann die Situation im besetzten Deutschland 1945, die Staatsgründungen 1949, den Mauerbau, die Vereinigung der beiden Deutschlands nach Art. 23 des Grundgesetzes. Und immer spricht er als jemand, der Vorgeschichte nicht nur in Jahren und Jahrzehnten bemisst, sondern in Kenntnis von Jahrhunderten deutscher Geschichte argumentiert.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.10.2009
Dieses Buch hat im Rezensenten Christoph Dieckmann das beglückende Gefühl hervorgerufen, sich auf dem Heidelberger Philosophenweg mit Blick auf Hölderlins Neckartal zu befinden. Dabei beschreibe das Buch eine Konferenz west- und ostdeutscher Autoren 1993 auf Hiddensee. Doch biete es eben mehr: nämlich "sieben kühl glänzende Essays", summiert zur "deutschen Nachkriegsgeschichte", deren Eckdaten bereits der Schutzumschlag des Bandes nenne. Immer wieder freut sich der Rezensent an unpopulistisch-scharfsinnigen Volten, genießt, dass hier einmal nicht in "perspektivischer Verkürzung" gedacht und beschrieben wird. Auch findet er die "spiegelbildlich" beschriebene Identität Ost- und Westdeutscher höchst überzeugend dargestellt. Insgesamt dringt für den Rezensenten das "Glockenspiel der Geschichte" aus diesem Buch.
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