Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
"Die Erfindung des Lebens" ist die Geschichte eines jungen Mannes von seinen Kinderjahren bis zu seinen ersten Erfolgen als Schriftsteller. Als einziges überlebendes Kind seiner Eltern, die im Zweiten Weltkrieg und der Zeit danach vier Söhne verloren haben, wächst er in Köln auf. Die Mutter ist stumm geworden, und auch ihr letzter Sohn lebt zunächst stumm an ihrer Seite. Nach Jahren erst kann er sich aus der Umklammerung der Familie lösen, in Rom eine Karriere als Pianist beginnen und nach deren Scheitern mit dem Schreiben versuchen, sein Glück zu machen. In Anlehnung an die großen Bildungsromane der deutschen Literatur entwirft dieser historisch weit ausholende Roman eine Biografie, die nach jedem Rückschlag wieder ganz neu erfunden werden muss.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Hanns-Joseph Ortheil: Die Erfindung des Lebens - Leseprobe bei Luchterhand
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.09.2010
Wie wahr der Titel ist, weiß Burkhard Müller am Ende der Lektüre. Genau: Erfunden ist diese Kindheit und Jugend eines Jungen in den 50ern, erfunden, nicht wahr (in einem literarischen Sinn). Nachdem Müller Hanns-Josef Ortheils dickes Buch mit all seinen Achs und Wehs, seiner kalkulierten Rührseligkeit ertragen und auf das annoncierte dunkle Familiengeheimnis gewartet hat, das dann völlig spannungslos plötzlich offen da liegt, geht ihm ein Licht auf: Sterbenslangweilig ist das Buch! Und zwar, weil der Autor stets behauptet, nie gestaltet, und so "angestrengt" ein abstraktes Genre-Bild entwirft.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.02.2010
Als "eindrucksvolle Künstler- und Entwicklungsgeschichte" charakterisiert Ulrich Baron diesen Roman Hanns-Josef Ortheils seines eigenen Lebens, die Barons Beschreibung zufolge in "fast biedermeierlicher Manier" beginnt. Erzählt werde die Geschichte eines Kindes, das die Musik entdeckt, da es in der Nachkriegszeit neben einer schweigenden Mutter aufwächst, die verstummte, nachdem sie vier Kinder an den Tod verloren hatte. Doch obwohl Baron viele eindringliche Beschreibungen eines fast "bukolisch anmutenden" Provinzstädtchens namens Köln sowie der Befreiung eines Jungen aus einem "kommoden Kerker banger Fürsoge" liest, ist der Kritiker unzufrieden. Warum hat Hanns-Josef Ortheil seine augenscheinlich biografische Geschichte derart fiktionalisiert? fragt er sich. Erteilt sich der Autor damit die poetische Lizenz, vom eigenen Leben unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit zu schreiben? Versöhnlich stimmt den Kritiker dann allerdings die Schlussszene, die er als pathetischen Abschied vom Mythos des Originalgenies gelesen hat.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.2009
Dass der Autor das Happy End und die große Liebe nicht scheut, rechnet Rezensentin Maria Frise ihm hoch an. Für sie ist Hanns-Josef Ortheils autobiografischer Roman ein tröstliches Buch geworden. Kaum erfunden und doch außerordentlich und wunderbar findet sie die durch die Geschichte des mit anfänglicher Stummheit geschlagenen, jedoch musikalisch begabten Johannes und seiner Eltern hindurchscheinende Biografie des Autors. Frise schätzt das von Ortheil vermittelte Gefühl einer trotz aller Schicksalsschläge unbeirrbaren Hoffnung und Liebe. Erscheinen ihr die aufgerufenen Bilder einer Kindheit in Köln und im Westerwald deutlich, bleibt für sie die in Rom spielende, mit musiktheoretischen Passagen gespickte Rahmenhandlung eher blass. Gerührt ist die Rezensentin dennoch.
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