Mit zahlreichen Abbildungen. Herausgegeben und kommentiert von Aron Hirt-Manheimer. Aus dem Amerikanischen von Ulrike Döpfer. Schmiel Jägendorf (nach dem Studium nannte er sich Siegfried) wurde 1885 in der Bukowina der Habsburger Monarchie geboren. Er studierte Elektrotechnik in Mittweida bei Dresden, war in Czernowitz Direktor der Siemensniederlassung und gründete später in Wien eine Fabrik. Das mondäne Leben zwischen Wien und Budapest war ihm vertraut. 1938 entkam er in Wien der Gestapo, flüchtete nach Rumänien und leitete, zurück in Czernowitz, eine eigene Firma, bevor er dann 1941 deportiert wurde. 1946 konnte er mit seiner Frau in die USA ausreisen, wohin seine beiden Töchter schon 1938 von Wien aus entkommen waren. Hier starb er 1970 und hinterließ ein Manuskript, das erst später entdeckt und 1991 in New York bei HarperCollins erstmals veröffentlicht wurde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2010
Richard Friebe umreißt die Geschichte dieses Textes bis zu seiner Erstveröffentlichung in den USA 1991 und der nun "endlich" vorliegenden deutschen Fassung. Für die Herausgabe und Übersetzung des Buches ist er sehr dankbar, beschreibt der Holocaust-Überlebende Siegfried Jägendorf darin doch ein wenig bekanntes Kapitel der Judenverfolgung: Die Deportation Tausender aus der Bukowina und den von Jägendorf initiierten Aufbau von Industrieanlagen in der transnistrischen Stadt Moghilev durch die Gefangenen, die auf diese Weise verschont wurden. Vermittels einfacher Beschreibung entstehen laut Friebe komplexe Psychogramme von Opfern, Tätern, Rettern und Mitläufern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.01.2010
Tief beeindruckt ist Rezensent Ernest Wichner von Siegfried Jägendorfs Bericht seines "Coups" der Rettung von Zehntausend nach Moghilev deportierter Juden vor der Ermordung, indem er sie - selbst aus Czernowitz deportiert - als Arbeiter für eine von ihm wieder aufgebaute Fabrik und einem Elektrizitätswerk von den Nazis forderte. Dem Rezensent imponieren nicht nur das beherzte und kluge Eingreifen und das Organisationstalent des Autors, der nach dem Krieg in die USA emigrierte, wo seine Erinnerungen erst 1991 erschienen. Gleichzeitig ist er fasziniert von der schillernden und durchaus "draufgängerischen" Persönlichkeit Jägendorfs und es drängen sich ihm Vergleiche mit Oskar Schindler auf. "Höchst aufschlussreich" findet Wichner auch den Kommentar von Aron Hirt-Manheimer, der den historischen Kontext zu Jägendorfs Erinnerungen liefert. Und so empfiehlt Wichner, Chef des Literaturhauses Berlin, nachdrücklich, dieses Buch auf die diesjährige "Leseliste" zu setzten.
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