Aus dem Französischen von Hans-Jost Frey und Friedhelm Kemp, mit einem Nachwort von Hans-Jost Frey. Paulhans spielerischer Ton und sein zwangloser Stil maskieren einen theoretischen Anspruch von großer Verbindlichkeit, geht es ihm doch um nichts weniger als um die Zusammenhänge zwischen Sprache, Gehalt, Kontext, Absicht und Rezeption literarischer Werke. Indem er diesen Verhältnissen systematisch und umsichtig nachgeht, schreibt er über das, was Literatur als Literatur bedeutet. Der Band bietet deshalb neben den "Blumen von Tarbes" eine Reihe weiterer wichtiger Aufsätze: den "Brief an Maurice Nadeau", "Das Spiegelfräulein", "Die Gabe der Sprachen", "Die Rhetorik aufersteht aus der Asche" und "Die Rhetorik hatte ihr Passwort".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.05.2010
Das Tollste an den hier versammelten Essays des französischen Literaturkritikers Jean Paulhan ist für Rezensent Lothar Müller, dass der Autor die Paradoxien der Literatur nicht auflöst. Sich von Paulhan in ihre Tiefen führen und sich die Kämpfe der Rhetoriker und Surrealisten, mit denen der Autor verkehrte, auseinandersetzen zu lassen, gehört offenbar zu den Genüssen, die dieser Band für den Leser bereithält. Wunderbar findet Müller, wie der Autor dem Misstrauen gegen das Rhetorische in der Literatur Paroli bietet und wider die Liebhaber des Authentischen im Roman streitet. Für die Herausgabe dieser Texte dankt der Rezensent dem Verlag ausdrücklich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2009
Ein Angebot, das man unmöglich ablehnen kann, sieht Helmut Mayer in dieser "exzellent ausgewählten" Sammlung mit sprachphilosophischen Einsichten und Auseinandersetzungen mit Literaturkritik von einer "Schlüsselfigur der französischen Literaturszene". Jean Paulhan kennenzulernen lohnt sich, versichert Mayer. In diesem Fall funktioniert die Annäherung vermittels des Staunens über Paulhans kritisches Potenzial, wenn es darum geht, das Sprechen über Literatur von Missverständnissen zu befreien. Laut Mayer macht Paulhan dies auf so spannende wie gekonnte Weise und enthüllt dem Rezensenten so die Zusammenhänge von Rhetorik und literarischem Terror. Dass der Autor etwaige programmatische Ansprüche zu temperieren weiß, ohne es an Provokation mangeln zu lassen, gefällt Mayer ausnehmend gut.
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