Haben sich Migrantinnen und Migranten in Deutschland überhaupt gegen Rassismus zur Wehr gesetzt? Und welchen Nutzen für eine kritische Gesellschaftstheorie ziehen wir, wenn wir den Spuren des migrantischen Widerstands nachgehen? Unter Rückgriff auf eine historische Analyse der Auseinandersetzungen von Migrantinnen und Migranten in der Bundesrepublik entwickelt Manuela Bojadzijev eine relationale Theorie des Rassismus, die in der Lage ist, seine historischen und aktuellen Konjunkturen zu bestimmen. Eine solche Theorie nimmt die Auseinandersetzungen gegen Rassismus zu ihrer Grundlage und nicht die Subjekte, die der Rassismus erst produziert. Die Autorin untersucht die Geschichte migrantischer sozialer Kämpfe in der Bundesrepublik in drei Aspekten: Einwanderungspraktiken als soziale Bewegung, Arbeitskämpfe sowie Auseinandersetzungen in den Bereichen der Reproduktion. Die Betonung auf die sozialen Auseinandersetzungen im Kontext der Migration reichert eine aktuelle kritische Gesellschaftstheorie des Rassismus noch mit Überlegungen zu einer Geschichtsschreibung "mit offenem Ende" und einer Diskussion nach den Grenzen des Politischen an.
Mit Lob bedenkt John Kannankulam diese historische Analyse von Migration, Rassismus und der sozialen Kämpfe der Migranten, die Manuela Bojadzijev vorgelegt hat. Die Politologin zeigt für ihn nicht nur, dass Migrationsbewegungen in der Bundesrepublik nicht erst durch die Anwerbeverträge in Gang gesetzt wurden, sondern analysiert auch die Auseinandersetzungen von MigrantInnen um Wohnverhältnisse, Bildung, Gesundheit und Arbeitsbedingen. Erhellend findet er auch die Ausführungen darüber, wie Forderungen von MigrantInnen in staatliche Vereinnahmungsstrategien eingingen. Besonders lebendig scheint Kannankulam die Darstellung des Frauenstreiks von 1973 bei der A. Pierburg AG in Neuss und des Mietstreiks der Jahre 1970-74 in Frankfurt. Das Buch ist für ihn ein gutes Beispiel einer "wirklich gelungenen Form der Geschichtsschreibung von unten".
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