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Sebastian Ullrich
Der Weimar-Komplex
Das Scheitern der ersten deutschen Demokratie und die politische Kultur der frühen Bundesrepublik. Dissertation
Klappentext
Sechzig Jahre nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland fehlt es nicht an Stimmen, die ihre Entwicklung als eine beispiellose Erfolgsgeschichte erzählen. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, wie mühsam und umstritten der demokratische Neubeginn nach 1945 war. Nicht wenige fürchteten zunächst, der Bonner Staat werde schon bald den Weg seines Vorläufers, der gescheiterten Weimarer Republik gehen. Die erste deutsche Demokratie, deren Untergang die meisten Zeitgenossen noch miterlebt hatten, war die Negativfolie, vor deren Hintergrund die zweite deutsche Demokratie konzipiert und an der sie immer wieder ängstlich gemessen wurde. Bis in die politischen Debatten der Gegenwart hinein wird auf die "Lehren aus Weimar" Bezug genommen und vor einer erneuten Gefährdung der Demokratie gewarnt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.02.2010
Der Historiker Hans Mommsen bespricht den Band von Sebastian Ullrich mit Wohlwollen. Den sogenannten Weimar-Komplex vermag ihm Ullrich in seiner umfassenden und detaillierten Darstellung des Scheiterns der Weimarer Republik und deren Auswirkungen auf die Entstehung der Bundesrepublik zufriedenstellend auseinanderzusetzen. Mommsen anerkennt die umfassende Quellenauswertung, auf die der Autor seine Analysen und sein Fazit stützt, demzufolge die Republik öffentlich eher negativ beurteilt wurde. Ullrichs Analysen und Feststellungen zur Weimar-Forschung und ihrer Verankerung im "bundesrepublikanischen Werthorizont" mit den Arbeiten Fritz Fischers und Karl Dietrich Brachers leuchten Mommsen ein.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.07.2009
Für Robert Probst gehört Sebastian Ullrichs "erhellende" Studie zum Besten, was bislang zum 60. Jubiläum des Grundgesetzes erschienen ist. Dass Ullrich, anders als andere Bezugnahmen auf die Weimarer Republik, das Werden der Bundesrepublik nicht als einzige grandiose Erfolgsstory präsentiert, sondern "kenntnis- wie detailreich" als zähes Ringen und schwierigen intellektuellen Diskurs über konkurrierende Werte- und Ordnungsvorstellungen, findet Probst äußerst wohltuend. Machtpolitik, nicht etwa ein parteienübergreifendes harmonisches Demokratieverständnis, war oft genug ausschlaggebend für die Auseinandersetzung mit Weimar, lehrt den Rezensenten die Lektüre. Über die wichtige Rolle der Alliierten hätte er allerdings gern mehr gelesen. Und dass Ullrichs Betrachtung im Jahr 1959 endet, findet er schade. Schließlich geht die Auseinandersetzung weiter. Angesichts des derzeitigen "Krisengeredes", meint Probst, könnte der Band jedenfalls sensibilisierend wirken.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.07.2009
Als "brillant und quellengesättigt" , ja "Musterbeispiel einer modernen kulturwissenschaftlich erweiterten Politikgeschichte" lobt Rezensent Edgar Wolfrum diese Studie zum Einfluss der gescheiterten Weimarer Republik auf die politische Kultur der alten Bundesrepublik. Sebastian Ullrich bohre in seiner Dissertation zum ersten Mal in die Tiefe, "wie die Narbe des Weimarer Scheiterns zum Bestandteil bundesdeutscher Identität" geworden sei. Dabei durchmesse er sein Terrain in zwei Teilen, beginnend mit der Nachkriegsbesatzung, Erfahrungen von Emigration und dem Weimar-Bild der Alliierten. Anschließend nehme er das Gründungsjahrzehnt 1949-59 ins Visier, und spiegele das Weimarbild des Westens auch mit dem der DDR, streife dabei aber die Zeit nach 1959 nur kursorisch. Abschließend werde mit "analytischem Blick" die Weimar-Forschung einer neuen Historikergeneration beleuchtet. Damit ist aus Sicht des Rezensenten dieser Komplex "trefflich historisiert".
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