Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aufrichtigkeit hatte dem Bürgertum einst in einer feindlichen Umwelt zu einer Vertrauensbasis verholfen. Engler illustriert, wie dieses Erbe entsorgt wurde, Treu und Glauben ihre Relevanz verloren. Der Eigennutz von Marktteilnehmern galt weithin als der beste, wenn nicht einzige Garant des Gemeinwohls. Nun zwingt der drohende Crash des Systems zu Staatsinterventionismus, Wirtschaftskapitäne übertreffen sich in der Rolle von Bittstellern. Englers kulturgeschichtliche Studie zeigt: Weder Markt noch Recht, noch Ideologie allein schaffen eine tragfähige Grundlage. Der Kampf um Existenz und Anerkennung darf den sozialen Zusammenhalt der Bürger nicht gefährden. Nur wenn der Kapitalismus an sein sozialmoralisches Erbe anknüpft, bleibt er politisch mehrheitsfähig.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.12.2009
Wolfgang Englers Buch "Lüge als Prinzip" scheint Rezensent Kai Schlieter ganz passabel. Den Titel hält er allerdings für irreführend, für ein Versprechen, das der Autor nicht einlöst. Vom Kapitalismus und prinzipiellen Lügen nämlich ist seines Erachtens kaum die Rede. Vielmehr sieht er den ostdeutschen Autor, den er als "soziologischen Literaten" würdigt, vor allem mit dem Phänomen der Aufrichtigkeit befasst und dabei Themen wie den Markt, die Sprache, Umgangsformen, Erziehung, Wissenschaft, Arbeit, Kultur umkreisend. Englers Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Aufrichtigkeit findet er eher "literarisch als streng wissenschaftlich", allerdings: "mal glänzend, mal farblos". Letztlich wirkt das Buch auf ihn "unvollkommen", aber zugleich "sehr aufrichtig".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.07.2009
Andreas Platthaus schätzt Wolfgang Englers Buch über die Tugend der Aufrichtigkeit wie auch den Autor selbst, einen der wenigen Soziologen, die schon in der DDR lehrten und sich auch nach 1989 behaupten konnten. Der etwas reißerische Titel "Lüge als Prinzip" führt seines Erachtens ein wenig in die Irre. Vielmehr sieht er in dem Buch eine überzeugende historische Rekonstruktion des Begriffs und des Verständnisses der Aufrichtigkeit seit der frühen Neuzeit. Die Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation fällt dabei seines Erachtens eher kurz aus. Er betont, dass Engler nicht nur als präziser Analytiker gilt, sondern geradezu als "soziologische Stimme des Ostens". Im Blick auf eine aktuelle Standortbestimmung der Ex-DDR scheint ihm vorliegendes Buch allerdings zurückhaltend. Dennoch findet er in einigen instruktiven Details dann doch noch einen Kommentar auf das vereinte Deutschland - für ihn die im Vergleich zu den Ausführungen zum abstrakten Kapitalismus "interessanteren Passagen".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.07.2009
Eine "soziologische Rekonstruktion" der Aufrichtigkeit erblickt Harry Nutt in Wolfgang Englers Buch "Lüge als Prinzip", das, anders sein Untertitel "Aufrichtigkeit im Kapitalismus" vielleicht nahe legt, kein Buch zur Finanzkrise sein will. Er attestiert dem Soziologen, den theologischen Kern der Aufrichtigkeit freizulegen und ihren entlarvenden Impuls in den bürgerlichen Revolutionen darzulegen. Interessant scheint ihm Englers Auseinandersetzung mit den Ungereimtheiten der Forderung nach Aufrichtigkeit und Authentizität. Er hebt zudem hervor, dass der Autor vor einer programmatischen Wiederbelebung des Begriffs zurückschrecke.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.07.2009
Joachim Güntner schätzt Wolfgang Englers soziologische Studie über Lüge und Aufrichtigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft. In ihrem Mittelpunkt sieht er den gesellschaftlichen Stellenwert, der der Aufrichtigkeit vom Barock bis heute beigemessen wird. Auch wenn der Autor hin und wieder gegen Finanzhaie und die Exzesse des Neoliberalismus polemisiert, moralisiert er nach Ansicht Günters nicht. Die Kritik an den funktionalen Deutungen von Ökonomen und Gesellschaftwissenschaftlern am Fehlverhalten von Wirtschaftsakteuren scheint ihm berechtigt. Günter bemängelt, dass Engler die Problematik der Aufrichtigkeit im Kapitalismus eher im Vorübergehen behandelt. Besonders interessant findet er den Blick des Autors zurück auf die Zeit vor der Französischen Revolution.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.07.2009
Ausgesprochen originell und inspirierend findet Rezensent Adam Soboczynski dieses Buch mit seinen gelegentlich halsbrecherisch weitgespannten geistesgeschichtlichen Bögen. Denn Wolfgang Engler eile in dieser Geschichte der Aufrichtigkeit unterhaltsam durch die sprach- und moralskeptischen Positionen von der Antike bis heute. Dabei sei er aller Skepsis gegenüber von einem "großen und traurigen Trotzdem" beseelt, ohne hinter deren Erkentnisse zurückzufallen. Dabei dachte der Rezensent, wie er zugibt, angesichts dieses Versuchs, inmitten der Krise für die alte Aufrichtigkeit zu optieren, erst einmal "wie naiv, rührend, wie realitätsblind und moralinsauer". Dann aber beeindruckt ihn dieser "ungemein inspirierende Essay" sehr, dessen Stil er zu seiner Freude oft ins Aphoristische, Paradoxe, Nichtfestgelegte kippen sieht. "Hier spricht ein Traditionalist als Avantgarde," seufzt er schließlich beglückt über diesen "feinkomponierten Vorschlag", sich des Erbes wiederzubesinnen.
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