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Klappentext
Das Hauptverbrechen Hitlerdeutschlands war sein Krieg, nicht Auschwitz. Denn erst die Siege der Wehrmacht ermöglichten Holocaust und Völkermord. Trotzdem pflegt die Bundeswehr Traditionen der Wehrmacht, tragen zwei Dutzend Kasernen immer noch die Namen von Wehrmachtoffizieren. Außer Widerstand und Ungehorsam jedoch gibt es in der Geschichte des Deutschen Reiches bis 1945 keine Militärtraditionen, die von der Streitmacht des demokratischen Deutschlands übernommen werden dürften. Mit diesem Buch setzt Ralph Giordano seinen kurz nach der Befreiung begonnenen Kampf gegen deutsche Lebenslügen fort, die bis heute überdauert haben. Am Beispiel von Erwin Rommel, Symbolfigur der Traditionslüge, wird gezeigt, wie der Wider-stand missbraucht wird, um die Ehre einer Armee zu retten, deren Oberbefehlshaber Adolf Hitler war. Giordano: "Nicht alle Wehrmachtangehörigen waren Verbrecher, aber sie alle haben dem verbrecherischsten Krieg der Geschichte gedient."
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.11.2000
"Eindeutige Voreingenommenheit" wirft Andreas Broicher dem Autor vor und beschwert sich, dass er sich aller "differenzierenden Betrachtung" verwehre. Dennoch erweist ihm der Rezensent die Fairness, seine Thesen zu referieren. Danach stellt Ralph Giordano die von den Grafen Kielmannsegg, Baudissin und De Maizière entworfenen Prinzipien der "inneren Führung" einer Armee in der Demokratie in Frage - tatsächlich, so meint Giordano nach Broicher, habe die Bundeswehr in ihrer Traditionspflege vor allem an vordemokratische Zeiten, besonders an Preußen, angeknüpft - und dies sind Traditionen, an denen er kein gutes Haar zu lassen scheint. Broicher betont, dass Giordano sich nicht als Wissenschaftler versteht, sondern als engagierter Journalist. Dennoch mag er ihm nicht vergeben, dass er "offensichtlich alle Quellen meidet, die seinen Überzeugungen widersprechen könnten".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2000
Ralph Giordano insistiert darauf, dass von der "sauberen Wehrmacht" auch nach der teilweise berechtigten Kritik an der Wehrmachtsausstellung keinesfalls die Rede sein könne, erklärt Rezensent Christian Nürnberger. Mit dem ihm eigenen Furor zähle Giordano noch einmal die Verbrechen auf und berichte vor allem von der Verdrängung nach dem Krieg, den Karrieren der Wehrmachtsoffiziere in der von Adenauer wiederbewaffneten Bundesrepublik und bis heute als Namensgeber von Kasernen. Das Buch eignet sich, so Nürnberger, "als ausgezeichnete Schul-Lektüre", nicht zuletzt wegen der Vergleiche mit dem rigorosen Umgang mit NVA-Offizieren. Giordano leugne freilich die Fortschritte der Demokratisierung nicht, aber seine Forderung, Kasernen nach Deserteuren zu benennen, geht dem Rezensenten dann doch zu weit.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.09.2000
Klaus Naumann sieht in dem Buch einen "wunden Punkt" getroffen. Indem die Bundeswehr den "schwierigen Spagat" zwischen demokratischer Reform und militärischer Tradition versuche, kommt sie in Erklärungsnöte. Giordano nutzt die Debatte, so der Rezensent, um die Frage, auf welche Traditionen sich die Bundeswehr stützen kann, zu ausführlichen Überlegungen, die "interessante Schlaglichter" auf die Geschichte des Militärs der letzten 200 Jahre werfen. Damit macht Giordano deutlich, wo das Dilemma im Traditionsverständnis liege, lobt der Rezensent. Zu recht betone er, dass die heutige Bundeswehr sich auf andere Vorbilder als auf die alten "Kämpfertypen" berufen müsse, wenn sie ihren humanitären Aufgaben überzeugend nachkommen wolle, schließt Naumann wohlwollend.
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