Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Eine Frau und ein Mann haben den Sommer über miteinander telefoniert, nun treffen sie sich in Venedig. Sie wissen fast nichts voneinander, aber schon bald stellt sich heraus, daß es in ihren Vorgeschichten fatale Überschneidungen gibt. Der Mann kannte Ingeborg Bachmann zu jener Zeit, als diese mit dem Vater der Frau, Max Frisch, zusammenlebte. Je länger die beiden durch Venedig schlendern, um so deutlicher wird ihr: Der Mann muss jenes nicht zu greifende Phantom gewesen sein, an dem ihr Vater in seiner Eifersucht schier zerbrochen war. Die Begegnung in Venedig, als Affäre begonnen, endet verhängnisvoll. Der Mann flieht aus Angst, wie er später gesteht, Angst vor Verstrickung, und die Frau stürzt durch alle bis dahin sicher geglaubten Selbstbilder, "durch alle Spiegel". Die "Bestandsaufnahme" gibt ein bewegendes Zeugnis vom Versuch der Tochter, die Beziehung zum Vater neu zu sichten.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2009
Eingenommen ist Friedmar Apel von Ursula Priess' Erinnerungen an ihren Vater Max Frisch. In seinen Augen ist das Buch nicht die Abrechnung einer Tochter mit ihrem Vater geworden. Vielmehr sieht er in "Sturz durch alle Spiegel" eine "selbstkritische Klage um verlorene Zeit und vertane Chancen" und darüber hinaus ein Buch des Staunens vor dem "Unfasslichen des Lebens" (Priess). Allerdings scheint ihm die Autorin, ohne es eigentlich darauf angelegt zu haben, ihren Vater auch als literarisches Material zu nutzen. Im Vordergrund stehen für ihn aber ihre Klage darüber, ihrem Vater, der sich auch nach der Scheidung bemühte, ein guter Vater zu sein, Dankbarkeit versagt zu haben sowie die Einsicht, sich selbst im Nachhinein nicht zu verstehen.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.06.2009
Im Vergleich mit Natascha Wodins Roman über ihren Mann Wolfgang Hilbig schneidet Ursula Priess' Buch über ihren Vater Max Frisch bei der Rezensentin Ursula März denkbar schlecht ab. Sie sieht den Schweizer Schriftsteller eingespannt in ein höchst fragwürdiges Projekt der Selbsterfindung, die nicht unbedingt der Wahrheitsfindung diene. Weder im Faktischen noch im Literarischen. So beschleichen März mitunter ungute, "bisweilen nicht unpeinlich zu lesende" Eindrücke. Auch wie sie Priess im Verhältnis zwischen Frisch und Ingeborg Bachmann positioniert, und quasi Bachmanns berühmt-unbekannten Liebhaber übernimmt, lassen März an diesem Buch ernste Zweifel aufkommen.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.06.2009
Ein Leichtes wäre es, Ursula Priess' Buch über sich und ihren Vater Max Frisch mit Spott zu begegnen, räumt Lothar Müller ein. Anhand der "Lücken" in Frischs eigens akribisch zusammengestelltem und damit natürlich auch zensierten Nachlass-Archiv spürt die älteste Tochter den eigenen Erinnerungen an den Vater nach und revidiert einiges für die Nachwelt Festgehaltene. Sie tut dies aber verpackt in Zitate aus dem Werk des Vaters, selbst der Titel zitiert aus dem Roman "Mein Name sei Gantenbein" und formal ist ihr Buch eng an die Erzählung "Montauk" angelehnt, erklärt der Rezensent. Gemessen an Frischs Werken oder auch nur als Versuch, endgültige Antworten auf biografische Fragen zu präsentieren, würde Priess' Buch tatsächlich nicht überzeugen, gibt Müller zu. Aber als Antwort der Tochter und als Dokument einer Liebe, die den Tagebuchnotizen des Vaters eigene Erinnerungen gegenüberstellt und die kurz vor Frischs Tod eingeleitete Wiederannäherung nach einem jahrelangen Zerwürfnis beschreibt, ist es ein berührender und überzeugender Text, lobt der Rezensent.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.06.2009
Einigermaßen enerviert zeigt sich Rezensent Roman Bucheli von diesem Buch. Nicht, weil es in einem strengen Sinn misslungen wäre, nicht weil es ihn gelangweilt hätte. Sondern deshalb, weil es immerzu mehr in Aussicht stellt, als es dann bietet. Kein Geheimnis macht die Verfasserin Ursula Priess daraus, dass es hier um die Aufarbeitung ihrer hoch problematischen und nach dem Erscheinen des Buchs "Montauk" abgebrochenen Beziehung zu ihrem Vater Max Frisch geht. So klar sie das einerseits macht, so sehr verliert sie sich, klagt Bucheli, im einzelnen dann jedoch immer wieder in Vagheiten. Vieles lasse sie auf unbefriedigende Weise offen. Zwar könne man, teils mit Gewinn, das ganze auch einfach als literarischen Text nehmen - richtig glücklich wird der Rezensent, wie er zugibt, aber auch aus dieser Perspektive nicht mit dem Buch.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Homer: Die Odyssee
Die "Mutter aller Erzählungen" - in der Prosafassung von Christoph Martin, erzählt von Dieter ...
Heinrich Meier: Über das Glück des philosophischen Lebens
Die "Reveries" von Jean-Jacques Rousseau sind das schönste und das gewagteste Buch des Genfer Philosophen, ...
Archiv: Bücherschauen
Seefahrergeschichten
08.02.2012: Die SZ feiert Michael Ondaatjes Geschichte seiner Schiffspassage von Sri Lanka nach England "Katzentisch". Auch Petur Gunnarssons Kindheitserinnerungen "Punkt Punkt Kommas Strich" kann sie sehr empfehlen. Als großes Vermächtnis würdigt die NZZ die "Römische Sozialgeschichte" des ungarischen Althistorikers Geza Alföldy. Sehr beeindruckt ist sie auch von Norbert Hummelts neuem Gedichtband "Pans Stunde". Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen
Hanna Krall: Rosa Straußenfedern
30.01.2012: Briefe, Fragmente, Zettel und Erzählungen erzählen vom Leben der polnischen Autorin Hanna Krall, ihrer Freunde und Zeitgenossen. Der Zweite Weltkrieg, die Volksrepublik Polen, Solidarnosc, vergegenwärtigen sich in ihrer Biografie. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Rosa Straußenfedern". Mehr lesen








