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Klappentext
Eine Frau und ein Mann haben den Sommer über miteinander telefoniert, nun treffen sie sich in Venedig. Sie wissen fast nichts voneinander, aber schon bald stellt sich heraus, daß es in ihren Vorgeschichten fatale Überschneidungen gibt. Der Mann kannte Ingeborg Bachmann zu jener Zeit, als diese mit dem Vater der Frau, Max Frisch, zusammenlebte. Je länger die beiden durch Venedig schlendern, um so deutlicher wird ihr: Der Mann muss jenes nicht zu greifende Phantom gewesen sein, an dem ihr Vater in seiner Eifersucht schier zerbrochen war. Die Begegnung in Venedig, als Affäre begonnen, endet verhängnisvoll. Der Mann flieht aus Angst, wie er später gesteht, Angst vor Verstrickung, und die Frau stürzt durch alle bis dahin sicher geglaubten Selbstbilder, "durch alle Spiegel". Die "Bestandsaufnahme" gibt ein bewegendes Zeugnis vom Versuch der Tochter, die Beziehung zum Vater neu zu sichten.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2009
Eingenommen ist Friedmar Apel von Ursula Priess' Erinnerungen an ihren Vater Max Frisch. In seinen Augen ist das Buch nicht die Abrechnung einer Tochter mit ihrem Vater geworden. Vielmehr sieht er in "Sturz durch alle Spiegel" eine "selbstkritische Klage um verlorene Zeit und vertane Chancen" und darüber hinaus ein Buch des Staunens vor dem "Unfasslichen des Lebens" (Priess). Allerdings scheint ihm die Autorin, ohne es eigentlich darauf angelegt zu haben, ihren Vater auch als literarisches Material zu nutzen. Im Vordergrund stehen für ihn aber ihre Klage darüber, ihrem Vater, der sich auch nach der Scheidung bemühte, ein guter Vater zu sein, Dankbarkeit versagt zu haben sowie die Einsicht, sich selbst im Nachhinein nicht zu verstehen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.06.2009
Im Vergleich mit Natascha Wodins Roman über ihren Mann Wolfgang Hilbig schneidet Ursula Priess' Buch über ihren Vater Max Frisch bei der Rezensentin Ursula März denkbar schlecht ab. Sie sieht den Schweizer Schriftsteller eingespannt in ein höchst fragwürdiges Projekt der Selbsterfindung, die nicht unbedingt der Wahrheitsfindung diene. Weder im Faktischen noch im Literarischen. So beschleichen März mitunter ungute, "bisweilen nicht unpeinlich zu lesende" Eindrücke. Auch wie sie Priess im Verhältnis zwischen Frisch und Ingeborg Bachmann positioniert, und quasi Bachmanns berühmt-unbekannten Liebhaber übernimmt, lassen März an diesem Buch ernste Zweifel aufkommen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.06.2009
Ein Leichtes wäre es, Ursula Priess' Buch über sich und ihren Vater Max Frisch mit Spott zu begegnen, räumt Lothar Müller ein. Anhand der "Lücken" in Frischs eigens akribisch zusammengestelltem und damit natürlich auch zensierten Nachlass-Archiv spürt die älteste Tochter den eigenen Erinnerungen an den Vater nach und revidiert einiges für die Nachwelt Festgehaltene. Sie tut dies aber verpackt in Zitate aus dem Werk des Vaters, selbst der Titel zitiert aus dem Roman "Mein Name sei Gantenbein" und formal ist ihr Buch eng an die Erzählung "Montauk" angelehnt, erklärt der Rezensent. Gemessen an Frischs Werken oder auch nur als Versuch, endgültige Antworten auf biografische Fragen zu präsentieren, würde Priess' Buch tatsächlich nicht überzeugen, gibt Müller zu. Aber als Antwort der Tochter und als Dokument einer Liebe, die den Tagebuchnotizen des Vaters eigene Erinnerungen gegenüberstellt und die kurz vor Frischs Tod eingeleitete Wiederannäherung nach einem jahrelangen Zerwürfnis beschreibt, ist es ein berührender und überzeugender Text, lobt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.06.2009
Einigermaßen enerviert zeigt sich Rezensent Roman Bucheli von diesem Buch. Nicht, weil es in einem strengen Sinn misslungen wäre, nicht weil es ihn gelangweilt hätte. Sondern deshalb, weil es immerzu mehr in Aussicht stellt, als es dann bietet. Kein Geheimnis macht die Verfasserin Ursula Priess daraus, dass es hier um die Aufarbeitung ihrer hoch problematischen und nach dem Erscheinen des Buchs "Montauk" abgebrochenen Beziehung zu ihrem Vater Max Frisch geht. So klar sie das einerseits macht, so sehr verliert sie sich, klagt Bucheli, im einzelnen dann jedoch immer wieder in Vagheiten. Vieles lasse sie auf unbefriedigende Weise offen. Zwar könne man, teils mit Gewinn, das ganze auch einfach als literarischen Text nehmen - richtig glücklich wird der Rezensent, wie er zugibt, aber auch aus dieser Perspektive nicht mit dem Buch.
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