Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Polnischen von Esther Kinsky. Als sie Doktor Josef zum ersten Mal gegenüberstand, war die kleine Czechna gerade mal zwölf Jahre alt. Und noch heute als Greisin betont sie, wie sehr der Lagerarzt von ihrer Schönheit fasziniert war: "Wissen Sie denn nicht, wen Sie vor sich haben?" entgegnet sie empört einem Verehrer im Altersheim, "vor Ihnen sitzt Miss Auschwitz." Jetzt teilt Frau Czechna ihr Schicksal mit Herrn Henoch, Frau Benia und Herrn Leon, sie alle sind dreifach gefangen: im Heim, in ihren gebrechlichen Körpern und in ihren Lebensgeschichten. Im trostlosen Alltag der Seniorenresidenz werden ihre Erinnerungen an die Kindheit immer greifbarer. Schon einmal haben sie alles hinter sich gelassen, schon einmal waren sie als namenlose Kreaturen der Gnade Stärkerer ausgeliefert. Inzwischen ist es die Arroganz des Pflegepersonals, gegen die sich Frau Czechna und ihre Freunde zu behaupten haben. Sie kämpfen um ihre Würde, die ihnen an diesem Ort aufs Neue entzogen wird. Ob sarkastisch, larmoyant, übermütig oder eitel - die Schönheit dieser Alten liegt in ihrem Eigensinn.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2010
Nicht die Fiktionalisierung der Schoah ist das Problem, das Oliver Pfohlmann mit diesem Buch über eine Holocaust-Überlebende und ihre Erinnerungen an Dr. Mengele hat. Es ist die obsessive, schonungslose Aufzählung von Altersgebrechen, die ihm obszön vorkommt. Die Parallelisierrung von KZ und Altenheim bereitet ihm Unbehagen. So glaubwürdig die komplizierten Gefühlsbeziehungen zwischen Opfer und Täter, wie sie Zyta Rudzka hier darstellt, dem Rezensenten letztlich auch vorkommen. Dass sich eine alte Frau ins KZ unter Mengeles Obhut zurücksehnt und die gezogenen Parallelen - das alles bleibt ihm zu diffus und erzählerisch zu wenig ausgearbeitet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.11.2009
Nicole Henneberg ist tief beeindruckt von Zyta Rudzkas Roman und preist ihn für seinen Mut und seine Überzeugungskraft. Die 1964 in Warschau geborene Autorin schildert ein Altersheim voller KZ-Überlebender, die sich vergeblich gegen das Anbranden der schrecklichen Erinnerungen wehren. Im Zentrum des Buches steht die schöne Czechna, laut Henneberg eine "durch und durch glaubwürdige" Protagonistin, die einst als "Doktor Josefs Schönste" - also von Mengele - bei medizinischen Versuchen gequält wurde. Verstörenderweise fühlte sie sich trotz der Peinigungen durch dessen bewundernden Blick auf ihre Schönheit fasziniert und zehrt davon bis in die trübe Gegenwart des Heims, lässt die Rezensentin wissen. Großartig und beklemmend findet sie die plastischen Schilderungen und auch die absurden, verzerrten Gespräche der Alten sind ihr nahe gegangen. Die unausgesprochenen, entsetzlichen Erinnerungen der KZ-Überlebenden aber schaffen eine "konzentrierte Stille", die Henneberg sehr berührt hat. Als großen Trost hat sie es zudem empfunden, dass inmitten all der Traurigkeit und des hoffnungslosen Wartens auf den Tod wenigstens Czechna noch einmal ausbricht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.05.2009
Verstörend, schockierend und faszinierend zugleich findet Rezensent Uwe Stolzmann dieses Buch der 1964 geborenen polnischen Schriftstellerin und Psychotherapeutin Zyta Rudzka über eine alte Frau, die als Kind in die Hände des KZ-Arztes Josef Mengele fiel und glaubt, auf Grund ihrer Schönheit überlebt zu haben. Und weil sie nach jedem von Mengeles furchtbaren Versuchen in die Kamera gelächelt habe. Schockierend ist das Buch für den Rezensenten, weil er darin "die Grenzen der Ethik" verschwimmen sieht. Rudzka gelinge es in ihrem Roman psychologisch glaubhaft, das Lager Auschwitz zum "Attribut einer Kindheit" umzudeuten, zum Sehnsuchtsort einer alten Frau in einem Altersheim, das von der Autorin mit seinem sadistischen Personal und dem zynischen, autoritären Chef wie das Spiegelbild eines KZs entworfen wurde und aus dem sich die Protagonistin zurück nach Auschwitz sehne. Es sei, so der Rezensent, ein Buch ohne Happy End, ein Buch auch, das seine Leser depressiv zurücklassen könne - wäre da nicht der seltsame Eigensinn seiner Protagonistin.
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Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
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06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
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02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








