Aus dem Französischen von Vincent von Wroblewsky und Sarah Dornhof. Mit einem Vorwort von Reginald Grünenberg und Sonja Hegasy. Die "Kritik der arabischen Vernunft" des in Marokko lebenden Philosophen Mohammed Abed al-Jabri ist die bedeutendste Fundamentalanalyse der arabischen Kultur. Es geht dem Autor darum, politische und soziale Denk- und Handlungsmuster zu entwickeln, mit denen die arabische Welt ihre eigene Geschichte wieder in die Hand bekommt, anstatt weiterhin von der eigenen idealisierten Vergangenheit manipuliert zu werden. Al-Jabri hat sich auf diese faszinierende philosophische Expedition begeben, um zu zeigen, dass es doch noch eine eigene, eine arabische Form der Moderne geben könnte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.09.2009
Laut Stefan Weidner hat der Band das Zeug, unsere Vorurteile bezüglich der Unvereinbarkeit von Islam und Aufklärung auf die Probe zu stellen. Weidner staunt über die von Mohammed Abed Al-Jabri präsentierten Erkenntnisse, etwa zum Fehlen der Subjekt-Objekt-Trennung beim arabischen Leser religiöser Texte und zum Stand der Leserautonomie (nicht vorhanden) in der arabischen Welt. Eine Bestätigung der Vorurteile sieht Weidner hier dennoch nicht. Offenbar überzeugend bringt der Autor dagegen ein dreiteiliges Schema verschiedener Wissensproduktionen in Stellung, das der sunnitischen Wissenskultur die aristotelisch-rationale sowie die mystische Denkweise an die Seite stellt. Ein forcierter Ansatz? Nein, findet Weidner. Al-Jabris überzeugt ihn durch eine inspirierende wie schlüssige Lesart der arabischen Geistesgeschichte, die sogar die abendländische philosophische Tradition als "gewissermaßen ursprünglich arabische" wieder salonfähig machen könnte.
Rezensent Martin Riexinger begrüßt die deutsche Übersetzung der "Kritik der arabischen Vernunft" von Mohammed Abed Al-Jabri. Viele intellektuelle Debatten der islamisch-arabischen Welt werden seines Erachtens in der deutschsprachigen Öffentlichkeit nicht wahrgenommen, weil Übersetzungen wichtiger Werke fehlen. Insofern dankt er dem Verlag ausdrücklich dafür, dieses grundlegende Werk des marokkanischen Philosophen zugänglich gemacht zu haben. Er betont den Abstand Al-Jabris zu den herrschenden weltanschaulichen Lagern, zu Islamisten wie Liberalen und Marxisten. Im wesentlichen sieht er die Intention des Autors darin, der arabischen Kultur einen Weg aus ihrer Fixierung auf die Vergangenheit zu weisen. Ein erneuertes arabisches Denken müsse sich das Erbe kritisch aneignen. Riexinger skizziert Al-Jabris philosophische Auseinandersetzung mit der philosophischen und theologischen arabischen Tradition. Dabei hebe der Autor die Leistung bedeutender arabischer Philosophen hervor, Wissenschaft und Religion auseinander zu halten. Deutlich wird für Riexinger damit auch, dass die Idee einer autonomen Vernunft durchaus in der arabischen Zivilisation verankert ist.
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