"Die Deutschen und ihre Nachbarn"- unter diesem Titel geben Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker gemeinsam eine auf zwölf Bände angelegte Reihe heraus, die den Deutschen Politik, Gesellschaft und Kultur unserer europäischen Nachbarländer vorstellt. Was wir auf vielerlei Reisen in uns aufnehmen, das soll hier vertieft und dabei auch von mancherlei Vorurteilen befreit werden. Dabei steht nicht so sehr das lexikalische Grundwissen im Vordergrund, sondern die lebendige Anschauung der Lebensverhältnisse und der jeweiligen nationalen Besonderheiten - auch im Verhältnis zu Deutschland.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.06.2009
Für den Rezensenten Horst Lademacher steht außer Zweifel, dass Geert Mak ein "guter Erzähler" ist und sein Porträt der Niederlande an keiner Stelle Gefahr läuft, im "lexikalischen Grundwissen" zu ersticken. Wind und Wetter des Landes behandelt er er ebenso farbig wie die Genese der frühbürgerlichen Gesellschaft, das immense Kolonialreich und die Versäulung der Republik. Trotzdem bleibt Lademacher reserviert. Manchmal ist ihm die Darstellung zu tupferhaft, den Glanz des Goldenen Jahrhunderts vermisst er völlig und auch die Besetzung der Niederlande durch die Deutschen scheint ihm zu kursorisch abgehandelt. Dass sich Mak in der Zeitgeschichte und unmittelbare Gegenwart "tummelt", passt dem Rezensenten dann gar nicht mehr. Statt über die Probleme der multikulturellen Gesellschaft und die Ermordung von Pim Fortuyn und Theo van Gogh hätte Lademacher lieber eine Auseinandersetzung mit der "im Lande gepflegten Begrifflichkeit, den Normen und Werten" gelesen.
Geert Mak zeichnet in seinem Bericht über die Niederlande ein zwiegespaltenes Bild der Niederlande, findet Rezensent Klaus Harpprecht. Er thematisiere in seinem Buch, das in der Reihe "Die Deutschen und ihre Nachbarn" erschienen ist, die Unmenschlichkeit der deutschen Besatzung genauso wie die Tatsache, dass nur ein Viertel der niederländischen Juden diese überlebte, was nicht nur der Brutalität des Besatzungsregimes geschuldet gewesen sei, sondern auch dem "passiven Antisemitismus" und der Bequemlichkeit der Niederländer. Breiten Raum nimmt in Maks Schilderung auch die Landgewinnung ein, die über Jahrhunderte "die wichtigste Aufgabe der Niederlande" gewesen sei, informiert der Rezensent und betont: "Maks kleines Buch ist ein großer Wurf".
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