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Mircea Cartarescu
Nostalgia
Klappentext
Aus dem Rumänischen von Gerhardt Csejka. "Nostalgia" erzählt von Kindheit und Jugend im Bukarest der sechziger und siebziger Jahre. Im Licht der Erinnerung, die aus den Empfindungen aller Sinne aufersteht, gewinnen die Schauplätze eine überwältigende Präsenz. Da ist das zerklüftete, morastige Gelände hinter dem Wohnblock am Stefan-cel-Mare Boulevard, wo der geheimnisvolle Knabe Mendebilus eine ganze Kinderbande mit somnambuler Akrobatik und tiefsinnigen Geschichten in Bann schlägt. Oder der glitschige unterirdische Tunnel, durch den Gina und Andrei ins Naturhistorische Museum geraten, wo sie ihre erste Liebesnacht erleben. Schließlich der bizarre, melancholische Turm am Stadtrand und seine riesenhaften Bewohner.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.08.2009
Eingenommen ist Hans-Peter Kunisch von diesem aus ineinander übergehenden Erzählungen bestehenden Roman über die Jugend im rumänischen Plattenbau, mit dem Mircea Cartarescu 1993 zum bedeutendsten Schriftsteller seiner Generation in Rumänien avancierte. Schon die erste Erzählung "Roulettespieler" hat ihm mit ihrer "Atmosphäre offener Panik" den Atem verschlagen, aber auch die weiteren Geschichten des Bandes, in denen sich die wuchernde "metaphernreiche Sprachkunst" des Autors zunehmend entfaltet, haben ihn tief beeindruckt. Er fühlt sich bei der Lektüre, wenn der Autor seine Protagonisten in den Wahnsinn schickt, an Dostojewski erinnert. Aber auch an Proust: durch einen Reichtum an Details und eine "sinnliche Dichte", durch die sich die Melancholie des Werks von der "Erinnerungsseligkeit" in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur unterscheidet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.06.2009
Ein bisschen klappern die Manierismen schon, und Wolfgang Schneider ist sich im klaren darüber, dass Mircea Cartarescus Texte bei aller magischen, den Rezensenten in Rausch versetzenden Beschreibungskunst immer auch nah am Kunstgewerblichen vorbeischrammen. Dass es beim Vorbeischrammen bleibt und nicht zum Crash kommt, macht die 1993 im Original erschienenen Prosastücke für Schneider zum literarischen Ereignis weit über Rumänien hinaus. Der Autor, ein "psychedelischer Proust", nimmt den Rezensenten mit in ein phantasmagorisches Weltpanoptikum mit Bodenhaftung. Auch wenn Schneider beim Lesen auf Szenisches verzichten muss, sind es doch reale Orte seiner Heimatstadt Bukarest, von denen aus Cartarescus Fantasie abhebt, oder wenigstens bekannte Versatzstücke aus Literatur und Popkultur.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.06.2009
Diese Geschichten möchte man nach Lektüre von Ekkehard Knörers Kritik sofort lesen. Mircea Cartarescu erzählt mit fantastischen Mitteln vom Leben im sozialistischen Rumänien. Fantastisch ist das insofern, präzisiert Knörer, weil die Geschichten immer im Realen ihren Ausgangspunkt nehmen, diese Realität dann aber so übersteigert wird, dass sie ins Phantastische führt. Wie die Geschichte von dem Mann, der zu Beginn in seinem Dacia sitzt und sich immer raffiniertere Hupen einbauen lässt: am Ende gar eine "gewaltige Orgel". Die spielenden Hände dehnen sich immer mehr aus und wuchern schließlich ins Universum, lesen wir. Dieser Übersteigerung folgt in den meisten Erzählungen die Implosion, berichtet Knörer. Oft wisse nicht einmal mehr das erzählerische Ich, ob es sich wirklich zugetragen hat, wie zuvor beschrieben. Und das erzählt ja auch einiges über das Leben im Rumänien Ceausescus.
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