Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Aus dem Englischen von Armin Gontermann. Moskau 1956. Leo Demidow ist nicht zu beneiden. Die Existenz seines Morddezernats wird von offizieller Stelle geleugnet; er darf bestenfalls verdeckt ermitteln. Für seine alten Kollegen vom KGB ist er ein Verräter. Und seine Adoptivtochter Zoya hasst ihn so sehr, dass sie ihn am liebsten töten würde. Vergeblich kämpft Leo um ihre Zuneigung. Für sie bleibt er der Mann, der ihre Eltern auf dem Gewissen hat... Doch es kommt noch schlimmer: Zoya wird gekidnappt. Wieder ist es Leos Vergangenheit, die sich bitter rächt. Will er das Mädchen wiedersehen, muss er einen Gefangenen aus Kolyma befreien, dem berüchtigtsten aller sibirischen Lager. Leben gegen Leben - das ist die simple Logik der Entführer. Leo hat den Mann vor sieben Jahren dorthin gebracht, Leo soll ihn auch wieder herausholen. In seiner Verzweiflung lässt er sich als Gefangener nach Kolyma einschleusen. Doch schon am ersten Abend wird er erkannt, und die Häftlinge beschließen, sich grausam zu rächen...
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.08.2009
Ein "Jammer" sei der neue Thriller von Tom Rob Smith, resümiert Rezensent Rainer Moritz enttäuscht. Man kenne den Autor anders und besser. Doch ein internationaler Erfolg wie bei seinem Debüt "Kind 44" sei von "Kolyma" nicht zu erwarten, schätzt Moritz. Sein neuer Thriller umspannt die Zeit von 1949 bis 1956, also jene sieben Jahre des Umbruchs, in denen Stalins Herrschaft zu Ende ging und Nikita Chruschtschow die Regierung übernahm. Smith erzählt eine offenbar recht abenteuerliche Geschichte vom Dissidenten Lasar, der ins Lager Kolyma deportiert wird, seiner Frau, die mit einer kriminellen Bruderschaft einen Rachefeldzug gegen die Tschekisten startet und einem geläuterten KGB-Offizier, der Lasar aus Kolyma befreien soll. Aber den Rezensenten hat das nicht sonderlich vom Hocker gerissen: Hier werde spannendste Geschichte zu einem "kleinformatigen Kammerspiel" und "purem Familienkitsch" umgemodelt. Allerdings findet der Rezensent die inhärente moralische Frage, wie lassen sich Kriegsverbrecher in die Gesellschaft integrieren, gut von Smith ausgeführt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.07.2009
Eine reichlich bittere Enttäuschung erlebt Rezensent Ingo Petz bei der Lektüre dieses zweiten Romans aus der als Trilogie angekündigten Reihe um den (nunmehr Ex-)KGB-Agenten Leo Demidow. Die Enttäuschung ist so groß, weil der erste Band, "Kind 44", der noch unter Stalins Herrschaft spielte, nach einhelligem Urteil der Kritik und auch in der Einschätzung von Petz ein exemplarisch gelungener Thriller war: Gut geschrieben, dicht und spannend erzählt mit einer hoch interessanten und glaubwürdigen Hauptfigur. Davon scheint nun wenig mehr übrig. Smith reiht eine völlig überflüssige Action-Szene an die nächste, mutet seinen Figuren reichlich abrupte Wandlungen zu und hat offensichtlich so gut wie gar nicht über die Sowjetunion unter Chruschtschow recherchiert, meint Petz. Schuld daran, mutmaßt er, sind einerseits die Drehbuch-Vergangenheit des Autors und andererseits der Lockruf von Hollywood. Vorwiegend im Hinblick darauf scheint dem Rezensenten der Band geschrieben, nachdem Ridley Scott Teil eins bereits optioniert hat.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.01.2009
Auf "schwierigem Thriller-Terrain" bewegt sich Tom Rob Smiths Roman "Kolyma" nach Ansicht von Rezensentin Sylvia Staude. Dennoch scheint ihr der Thriller um den Ex-KGBler Leo Demidow recht gelungen. Demidow will sich von seinen Untaten als junger KGBler distanzieren, wird aber von seiner Vergangenheit eingeholt: um das Leben seiner Tochter zu retten, muss er einen Priester, den er einst selber verhaften ließ, aus dem Gulag von Kolyma befreien. Illusionslos findet Staude auch den zweiten Teil des Romans, der Demidow 1956 nach Ungarn führt, wo der Aufstand als "abgekartetes Spiel des großen kommunistischen Bruders" erscheint. Trotzdem findet Staude die historische Szenerie realistisch geschildert und ist erleichtert, nicht zu denen zu gehören, die diese Zeit persönlich erleben mussten: "Es ist schon beklemmend genug", resümiert sie, "so detailreich und leider plausibel von ihr zu lesen."
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