Dag Solstad

Armand V.

Fußnoten zu einem unausgegrabenem Roman
Cover: Armand V.
Dörlemann Verlag, Zürich 2008
ISBN 9783908777410
Gebunden, 288 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Ina Kronberger. Armand V. überrascht seinen Sohn in einer erniedrigenden Szene halbnackt, auf allen vieren, vor einer Unbekannten. Kurz darauf gibt der junge Mann sein Studium auf, um sich zum Kriegseinsatz in einer Eliteeinheit zu melden. Ein Krieg, den der Vater als norwegischer Botschafter in London zu befürworten hat, als Privatperson aber aus tiefstem Herzen missbilligt. Dennoch bewahrt er seinen Sohn nicht vor diesem fatalen Schritt. Der Alltag des Vaters, seine Streifzüge durch Oslos Straßen und in die eigene Vergangenheit sind Nebenschauplätze der Handlung, denn seine Geschichte ist nur Annotation, Fußnote zum eigentlichen Roman, der bisher vergeblich "auf seine Ausgrabung" wartet und in dem die Figur des Armand V. in all ihrer Zerrissenheit beleuchtet werden könnte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.06.2009

Rundum zufrieden ist Thomas Fechner-Smarsly mit Dag Solstads zuletzt auf Deutsch erschienenen Roman, den er als hintersinniges Werk über das Romanschreiben und zugleich als "ungemein politisches Buch" bewundert. Es geht um den norwegischen Diplomaten Armand V., dessen berufliches und privates Leben durch die Heimkehr des kriegsversehrten Sohnes aus Asien aus der Bahn geworfen wird, fasst der Rezensent zusammen. In 99 "Fußnoten" entfaltet der norwegische Autor ein "Spiegelkabinett" um eine Lebenslüge, der der eigene Sohn zum Opfer fällt, so Fechner-Smarsly weiter. Solstad zeigt sich mit diesem tragischen Motiv als ein "Bewunderer Ibsens", an dessen dramatisches Werk wiederholt in diesem Roman erinnert wird, stellt der Rezensent fest, der in der Verkennung der Diplomatie als der "Zähmung" von Macht den entscheidenden Irrtum der Hauptfigur erkennt. Und aus Reflexionen über das Romanschreiben hat der Rezensent dem Buch noch entnommen, dass Solstad möglicherweise sein eigentliches Romanwerk mit dem 1999 publizierten Roman "T. Singer" als beendet ansieht und alles weitere lediglich "Zusätze und Einzelstücke", eben "Fußnoten" darstellen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.01.2009

Nachdem Dag Solstad schon mit seinem Roman "16/07/41" eine Affinität zu Fußnoten bewiesen hat, beschränkt er sich in seinem jüngsten Buch gänzlich auf Fußnoten zu einem "unausgegrabenen Roman", wie es im Untertitel heißt, konstatiert Stephan Opitz. Wenn das in seinen Augen auch mitunter ziemlich manieriert wirkt, tut das dennoch weder dem Vergnügen noch seiner Bewunderung wirklich Abbruch, wie er betont. Es geht um den norwegischen Diplomaten Armand, dessen Sohn, Mitglied einer militärischen Eliteeinheit, bei einem Einsatz im Ausland sein Augenlicht verliert, erklärt der Rezensent. Was Opitz trotz seiner Einwände so für das Buch einnimmt, ist neben der erzählerischen Eleganz und einer überzeugenden "literarischen Komposition", dass die politische Dimension nicht zu plakativ daher kommt, wie er lobt. Und dass Solstad für die Darstellung des Inneren eines Menschen nicht die dafür prädestinierte Romanform benötigt, sondern das schon mit bloßen Fußnoten zuwege bringt, kann der Rezensent nur bewundern.
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