Herausgegeben von Robert Barkowski. Aus dem Polnischen von Barbara Kulinska-Krautmann. Aus dem Englischen von Dino Geicker. Im Stanisaw-Lem-Archiv befinden sich zahlreiche Durchschläge von Briefen, die der wohl bekannteste Autor Polens in seiner Muttersprache, aber auch auf Englisch oder Deutsch verfasst hat. Adressaten waren u. a. die amerikanische Autorin Ursula K. Le Guin, der Verleger Siegfried Unseld und das Kulturdezernat des ZK der Vereinigten Polnischen Arbeiterpartei. Als sein Brieffreund Philip K. Dick, einer der wichtigsten Science-Fiction-Autoren Amerikas, 1974 einen schizophrenen Schub hatte, warnte er das FBI eindringlich vor dem Phänomen Lem: "Ich bin absolut davon überzeugt, dass sich hinter dem Namen LEM kein einzelner Autor verbirgt, sondern eine konspirative Gruppe mit Sitz in Krakau, deren Ziel die kommunistische Unterwanderung der Vereinigten Staaten ist... Es ist nämlich ausgeschlossen, dass ein einziger Mensch Verfasser so umfangreicher und unterschiedlicher Werke (in Stil, Form und Gattung) sein kann".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.03.2009
Ulrich M. Schmid begrüßt diese Auswahl von Briefen des polnischen Schriftstellers Stanislaw Lems (1921-2006), die nun in einer "sorgfältig edierten" deutschen Ausgabe vorliegen. Er würdigt den Science-Fiction-Autor als genauen Beobachter der politischen Verhältnisse, der sowohl in seiner Heimatstadt Lemberg sowohl die Besetzung durch die Nazis und dann durch die Bolschewiki erlebt hat. Seine mit "spitzer Feder" verfassten Briefe zeichnen sich für Schmid aus durch ihre klare Worte gegenüber den kommunistischen Machthabern in der Sowjetunion und in Polen. Dabei habe er nie den Schmids Meinung nach in Polen verbreiteten Irrtum begangen, die Unterdrückungspolitik des sowjetischen Imperialismus mit der russischen Kultur gleichzusetzen. Schmid hebt zudem Lems Interesse an der Erforschung des Rätsels "Ich", seine "moralische Standfestigkeit" und Anmahnung des universell Menschlichen hervor.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.01.2009
Gebannt vom Licht der Intelligenz legt Georg Klein diesen erstmals bei uns erscheinenden Briefband beiseite. Über die hohen Anforderungen der Briefe Stanislaw Lems aus den Jahren 1955 bis 1988, gestellt sowohl an seine Briefpartner wie auch an den heutigen Leser, lässt der Rezensent uns nicht im Zweifel. Spürt Klein in ihnen einerseits die bedrohlich sehnsüchtige Erwartung des "intellektuellen Untiers", findet er die Texte andererseits geprägt vom pädagogischen Eros des Autors. Was äußerlich als Bewältigung des Alltagsgeschäft eines Autors erscheint, wird für Klein zur literatursoziologischen Fundgrube. Im Hinblick auf Lems Denkstil und sein Verhältnis zur Welt durchstöbert Klein sie mit Gewinn und erlebt den Autor als einen nach außen hin radikal kritischen wie auch als einen von Selbstzweifeln geplagten Geist.
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