Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 02.09.2010, 14.19 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

  • Mailen
  • Drucken
  • Merkzettel
  • Kommentieren

Boris Pahor

Piazza Oberdan

Cover: Piazza Oberdan

Kitab Verlag, Klagenfurt 2008
ISBN-10 3902585242
ISBN-13 9783902585240
Paperback, 191 Seiten, 21,00 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Slowenischen von Reginald Vospernik. Boris Pahor erzählt anhand der Geschichte des Platzes, der von den Italienern nach Guilielmo Oberdank benannt und von den Österreichern nach einem Attentatsplan gegen Kaiser Franz Joseph gehängt wurde, die Geschichte der Slowenen in Triest. In der k.u.k.-Zeit lebten Slowenen, Italiener und deutschsprachige Österreicher hier im wesentlichen friedlich zusammen. Nach dem Anschluss der weltoffenen Stadt, die einer Vielfalt von Kulturen offen gegenüberstand, machte sich hier der Faschismus schon vor der Machtübernahme in Italien bemerkbar. Die Niederbrennung des slowenischen Kulturhauses blieb bis heute ungesühnt.
Immer wieder dient die einst polyglotte Stadt, die im Einvernehmen mit dem slowenischen Hinterland auf dem Karst lebte, den Aufmärschen postfaschistischer Gruppen, Bersaglieri usw.; die slowenische Identität ist auf den ersten Blick nicht mehr zu spüren. Pahors Bestreben geht dahin, die Vielfalt der Kulturen in der Hafenstadt auch für die Zukunft in einem vereinten Europa zu erhalten.

Möchten Sie dieses Buch kommentieren?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.06.2009

Für Judith Leister ist das Buch kein Meisterwerk. Wer Boris Pahor kennenlernen möchte, dem empfiehlt sie ein anderes Buch aus dessen Oeuvre, zum Beispiel den großen Erinnerungsroman "Nekropolis". Dem vorliegenden Band, in dem Pahor das Schicksal der Slowenen unter italienischer Herrschaft in der Grenzregion um Triest in einer Collage aus Tagebuch Autobiografie, Kurzprosa und historischen Dokumenten verhandelt, fehlt es laut Leister an Formwillen. Etwas weniger "patriotisches Sentiment", meint sie, hätte dem Text auch gut getan. Als Beitrag zur slowenisch-italienischen Geschichte hat das Buch für sie allerdings durchaus seinen Wert.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.12.2008

In jeder Hinsicht merkwürdig (aber auch höchst denkwürdig) findet Rezensent Karl-Markus Gauß das Buch des 1913 geborenen slowenischen Schriftstellers über den nach dem italienisch-slowenischen, von den Österreichern hingerichteten Freiheitskämpfer Guglielmo Oberdan benannten Platz in Triest. Nicht nur, dass sich Boris Pahor erst im Alter von über 90 Jahre mit der Geschichte des Platzes und seines Namenspatrons zu beschäftigen begonnen habe. Auch formal ist Pahor in seinem Buch aus Sicht des Rezensenten ungewöhnliche Wege gegangen. Denn ob es sich hier um einen Roman, eine historische Studie oder einen "Novellenkranz" handele, sei so leicht nicht zu spezifizieren. Gauß informiert, dass Pahor in seinem Buch einen eigenen Lebensbericht mit dem "Roman eines urbanen Platzes" und seiner Geschichte zwischen Totalitarismus, Amnesie und nationalem Gedenkkult mit Abschnitten aus vor Jahrzehnten verfassten Novellen oder Essays zusammengeschnitten habe. Daher umfasse das Buch eine Zeitspanne von 1939 bis 2005, als der 92jährige Autor über die winterliche Piazza spaziert und ins Grübeln kommt. Die Übersetzung sei zwar etwas ungelenk, findet Gauß, der aber den kleinen Kitab-Verlag doch nicht genug für seine Verdienste um das Werk Pahors rühmen kann.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Kommentieren |

Bücher von Lesern empfohlen

Buch: Alles, was man brauchtAgneta Blomqvist, Lars Gustafsson: Alles, was man braucht
Was wissen Sie über elektrische Fische, Kriminalromane und "Anfang und Ende der Zeit"? Lars Gustafsson ...

Buch: Deutschland schafft sich ab  Thilo Sarrazin: Deutschland schafft sich ab
Thilo Sarrazin beschreibt mit seiner profunden Erfahrung aus Politik und Verwaltung die Folgen, die sich für ...

Archiv: Bücherschauen

Ästhetik des Ungekämmten

02.09.2010: Die FAZ liest tief beeindruckt Erwin Mortiers Roman "Götterschlaf", der die Geschichte einer Frau in Zeiten des Ersten Weltkriegs erzählt. Die Zeit feiert Steven Uhlys Romandebüt "Mein Leben in Aspik" als irrwitzigen Barock-Poetry-Slam und verteidigt Martin Mosebach und seinen Roman "Was davor geschah" gegen seine Kritiker: Mit formloser Kunst ist dem formlosen Leben nicht beizukommen. Die SZ erfährt in Barbara Ehrenreichs "Smile or Die" die beglückende Wirkung des negativen Denkens. Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Hannah Arendt, Gershom Scholem: Der Briefwechsel

30.08.2010: Von 1939 bis 1964 führten Hannah Arendt und Gershom Scholem einen intensiven Briefwechsel, in dem sie sich über jüdische Geschichte und jüdisches Selbstverständnis auseinandersetzten. Lesen Sie hier Auszüge aus der Korrespondenz, in denen es um Walter Benjamins Tod und Hannah Arendts Bericht "Eichmann in Jerusalem" geht. Mehr lesen

Elisabeth Badinter: Der Konflikt

23.08.2010: Frauen sollten wieder zurück zu Heim und Herd. Diesmal nicht, um den Mann zu umsorgen, sondern das Kind. Unter dem Banner der Natürlichkeit werden die Ansprüche an die gute Mutter so in die Höhe geschraubt, dass Frauen ihre Freiheiten wieder zu verlieren drohen, fürchtet Elisabeth Badinter. Lesen Sie hier einen Auszug aus ihrem neuen Buch "Der Konflikt".
Mehr lesen

Maria Sonia Cristoff: Patagonische Gespenster

19.08.2010: Die argentinische Journalistin Maria Sonia Cristoff bereist  Patagonien und berichtet von den Menschen, die es dorthin verschlagen hat, in diese gottverlassenen Landschaften am anderen Ende der Welt. Lesen Sie hier einen Auszug aus: "Patagonische Gespenster". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren