94 Minuten mit 42-seitigem Begleitheft. Einen unfilmischeren Erzähler als Thomas Bernhard kann man sich kaum vorstellen: Er verachtete Details und Beschreibungen, vermied es peinlich genau, mit der Sprache die Möglichkeiten des Bilds nachzuahmen. "Ich schreib'immer nur Begriffe, und da heißt's immer Berge oder eine Stadt oder Straßen, aber wie die ausschauen ..." Welchen Mehrwert das Medium Film trotz oder gerade wegen der Bernhardschen Invektivkaskaden haben kann, dokumentieren die beiden langen Interviews, die die Journalistin Krista Fleischmann in den achtziger Jahren auf Mallorca und in Madrid mit ihm führte. Sie zeigen Bernhard, der sich vom Kameramann extra "unkonventionelle Bilder" gewünscht hatte, "die man üblicherweise wegwirft", von seiner besten, seiner vergnüglichsten Seite: am Hafen, beim Stierkampf und in Cafes.
Sehr sehenswert findet Rezensentin Ines Kappert diese beiden Thomas-Bernhard-Filmporträts, die ihren Informationen zufolge 1980 aus Anlass seines 50. Geburtstags entstanden sind. Nicht nur, dass es ihr Freude bereitet hat, wie der ?listige ältere Herr? mit den guten Manieren seine Interviewerin genüsslich mit einem ?endlosen Wortschwall? quält. Auch was er sagt, beeindruckt sie sichtlich. Nicht nur Bernhards Sottisen gegen Gott, Österreich und die Welt. Auch die spärlichen Einblicke in seine tragische Kindheit und Jugend, sein Schreiben sowie seine immer wieder offen in diesen Gesprächen zur Schau getragene Leserverachtung, die die Rezensentin bei allem Spott immer auch zutiefst gesellig und freundlich findet.
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