Dr. Eduard Bloch (1872-1945) war in Linz Hausarzt von Hitlers Mutter Klara. Aufopferungsvoll begleitete er 1907 ihr Sterben. Damals entwickelte sich eine herzliche Beziehung zwischen dem frommen Juden und dem 18-jährigen Adolf Hitler. Als der "Führer" 1938 in Linz einzog, erwähnte er mehrfach lobend den "Edeljuden Dr. Bloch". Er sorgte dafür, dass Bloch von der Linzer Gestapo geschützt wurde und 1940 mit seiner Frau in die USA emigrieren konnte. Doch Amerika wurde ihnen nicht mehr zur Heimat. Brigitte Hamann erzählt aus vielen privaten Quellen von Bloch und dessen großer Familie, von einem Leben in politisch wirren Zeiten. In "Hitlers Wien" hat sie die Ursprünge von Hitlers Antisemitismus erklärt. Hier widerlegt sie auch die abenteuerliche These, der jüdische Arzt Dr. Bloch sei einer der Auslöser dafür gewesen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.07.2009
Für Dorion Weickmann ist es zweifellos ein außergewöhnliches Schicksal, dessen die Autorin sich in ihrem Buch annimmt. Eduard Bloch, den jüdischen, von Hitler zeitweise protegierten Arzt, und das Schicksal seiner Familie lernt sie in der Arbeit der Wiener Historikerin Brigitte Hamann kennen. Weickmann schätzt Hamanns scharfsinnige Kommentierung und das sorgfältige und sachkundige Arrangement von Bildmaterial und Schriftzeugnissen durch die Hand der Autorin. Über ein historisches Familienalbum oder eine Biografie reicht das Buch für sie hinaus. Sie liest es auch als Porträt der Donaumetropole und "Führerstadt" Linz und als Dokumentation von Hitlers Aufstieg.
Lesenswert findet Rezensent Volker Ullrich die Biografie des jüdischen Arztes der Familie Hitler, wenngleich er es als unverzeihliche Nachlässigkeit empfindet, dass der antisemitische Begriff im Titel nicht wenigstens in Versalien gesetzt wurde. Brigitte Hamann bringe den Lesern auf anrührende Weise die Geschichte des Linzer Arztes Eduard Bloch und seiner Familie näher, der 1907 den damals 17-jährigen Adolf Hitler kennengelernt habe, dessen Mutter tödlich an Brustkrebs erkrankt gewesen sei. Die Autorin arbeite mit vielen, bisher unbekannten Quellen, wie den im New Yorker Exil verfassten Erinnerungen Blochs. Der Rezensent bescheinigt Hamann viel Empathie, aber auch einen gewissen Hang, auf Nebenpfaden den Hauptstrang aus den Augen zu verlieren. Manchmal vermisst er auch einen analytischeren Blick. Insgesamt aber betrachet er das Buch doch als lohnende Lektüre.
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