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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Ralph Bollmann

Reform

Ein deutscher Mythos

Cover: Reform

wjs verlag, Berlin 2008
ISBN-10 3937989439
ISBN-13 9783937989433
Gebunden, 191 Seiten, 19,90 EUR

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Klappentext

Die deutsche Reformdebatte, die im Bundestagswahlkampf einem neuen Höhepunkt entgegensieht, wird mit einem erstaunlichen Mangel an historischen Kenntnissen geführt. Was "Reformen" wirklich sind, wo sie herkommen und wo sie hinführen, spielt in der Diskussion nicht die geringste Rolle. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Die mythische Überhöhung der Reformidee ist eine deutsche Besonderheit. Der Verdruss über eine "neoliberale" Reformpolitik im Zeichen der Globalisierung ist zwar in vielen Industrienationen verbreitet. Aber nur in Deutschland verbindet sich mit der Hoffnung auf die lenkende Hand des Staates die Forderung nach einer Großreform, die alle Probleme ein für alle Mal löst. Rechtzeitig vor der Bundestagswahl legt Ralph Bollmann eine kleine Geschichte der Reformen vom Mittelalter bis heute vor - von der Bildungsreform Karls des Großen über Luthers Kirchenreform und Bismarcks Sozialgesetzgebung bis zu Gerhard Schröders Agenda 2010. Indem er von der Vergangenheit erzählt, behandelt der Autor stets die Fragen der Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.01.2009

Rezensent Harry Nutt findet zwar viel stimulierendes Gedankengut in Ralph Bollmanns Ausführungen zur Geschichte der Reform - zumindest steigt er in seiner Besprechung sehr angeregt auf die konkreten Inhalte des Buches ein. Doch letztlich bedauert er, dass Bollmann den Begriff nur in seinem engeren politischen Sinne benutzt, und dass er kaum auf gesellschaftliche Reformbewegungen eingeht, die 19. Jahrhundert durchaus eine große Rolle spielten. Trotzdem entdeckt er Spannendes in Bollmanns Ausführungen und viele historische Parallelen. So entdeckt er durch Bollmanns Perspektive eine Menge "geschichtliche Patina", die bei der scheinbar zukunftszugewandten "Reformmetaphorik" oft gar nicht gleich sichtbar werde.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.12.2008

Insgesamt höchst lesenwert findet Rezensent Werner A. Perger dieses Buch des Berliner Journalisten Ralph Bollmann über das Thema Reform, bei dem es sich der ?ungewöhnlichen These? des Buches zufolge, um einen ?deutschen Mythos? handeln würde. Es hat Pergers Eindruck zufolge einiges zu bieten, darunter Ernsthaftes wie Kurioses. Bollmann, dem der Rezensent große Belesenheit bescheinigt, hole weit aus, sein Personal reiche von Albertus Magnus über Martin Luther bis hin zu Gerhard Schröder. Allerdings findet Perger dann im Einzelnen die Argumentation nicht immer ganz übersichtlich. Eindrucksvoll findet er die Beschreibung des Dilemmas aller Reformpolitiker: den Kompromiss. Auch leuchtet ihm Bollmanns Rat ein, Reformpolitikern in Sachen Umsetzung ihrer Ideen nicht allzusehr zu vertrauen. Allerdings notiert der Rezensent neben vielen anregenden Debatten im Band auch einige Ärgernisse: Zum Beispiel Eitelkeit und bildungsbürgerliche Kalauer.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.11.2008

Ralph Bollmann untersucht die Reform als "deutschen Mythos" und tut dies mit ansteckend guter Laune, folgt man Gustav Seibts frohgemuter Kritik. Von der karolingischen Bildungsreform im 9. Jahrhundert bis zu Gerhard Schröders "Agenda 2010" nimmt Bollmann deutsche Reformbemühungen in den Blick, wobei er zunächst ein allgemeines Schema der Reform entwirft, erklärt der Rezensent. Der taz-Journalist beweist sich dabei als versierter Sozialhistoriker, der zugleich auch als "Begriffshistoriker" die "Spannung zwischen Gesellschaft und Semantik" vergnüglich auszuloten weiß, lobt der Rezensent. Wenn Bollmann historische Ereignisse mit aktuellem Politjargon beschreibt, etwa Luthers "Agenda 1517", dann klingt das zwar vielleicht ein bisschen unseriös, dafür entschädigt Bollmann mit amüsanter "Ironie", so Seibt. Nach Bollmann haftet jeder Reform das Prädikat "viel Getöse, wenig Erreichtes" an, aber wenn am Ende wenigstens kleine Siege wie die "Homo-Ehe" oder der "Doppelpass" herauskommen, so wisse der Autor das zu würdigen.

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