Bücherschau der Woche
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Klappentext
Die Liebe führt Raoul Louper zu Elif, Francesca und Arlette und wieder von ihnen fort in andere Länder, auf andere Kontinente. Raoul Schrott hat eine Geschichte in hundert und einem Kapiteln geschrieben, eine Novelle, die von einem Mann und drei Frauen berichtet, von Reisen und der Begegnung mit dem Fremden.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.12.2000
Ein Verriss! In diesem Buch, in dem es wie schon mehrfach bei Schrott um Reiseerfahrungen geht, sucht Rezensent Jörg Plath vergeblich nach inhaltlicher Tiefe, auch wenn die Liebeserfahrungen des Protagonisten angeblich "gegen letzte Erfahrungen eingetauscht" werden. Vergeblich hat Plath versucht, die vielen bedeutungstragenden Aussagesätze zusammenzubasteln. Geheimnisse, die der Autor andeutet, empfindet er als "kapriziöse Windbeutelei". Er bemängelt die Konturlosigkeit der Erzählung und die Überfrachtung mit "Bedeutungsgepäck" und Bildungsgut.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.11.2000
Hans-Peter Kunisch rechnet Raoul Schrott wie Peter Weber einem Zweig des neueren Realismus zu, der sich nicht mit der heutigen Angestelltenwelt auseinandersetzt, sondern gegen die Sinn- und Reizüberflutung ein Gegenprogramm startet, nämlich "die sinnliche Wahrnehmung der Dinge entwickeln zu helfen". Schrotts Novelle spielt in einer ganz und gar reizarmen, nicht aber reizlosen Umgebung, in der Wüste. Die ausführlichen Landschaftsbeschreibungen und das Aufsagen der fremden Orte wirken auf Kunisch wie eine sprachliche, eine poetische Beschwörung. Für den Rezensenten gibt es neben dieser direkten sinnlichen Wahrnehmungsebene eine zweite Ebene: die eines männlichen Bildungsromans. Schrotts Held werde durch die Schule der Frauen geschickt - in diesem Fall sind es drei. Dass sein Held als frauenuntauglich erklärt wird, sieht Kunisch als Konstruktionsfehler der Novelle an: schließlich verfalle der Protagonist diesbezüglich in einfallslose Klagen, die für ihn so gar nicht zur intensiven Wahrnehmung der Natur passen wollen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.10.2000
Eine Novelle mag Thomas Kraft dieses Buch, das offiziell diesen Gattungstitel trägt, nicht nennen - verständlich, wenn man bedenkt, dass Schrott die 127 Seiten des Buchs in 101 Kapitel gliedert. Aber Kraft ist dennoch begeistert. Ihm gefällt ja gerade das Miniaturenhafte von Schrotts Prosa, die Art und Weise, wie er den Sand der Wüsten besingt, aber auch die Art und Weise, wie Raoul - denn so heißt auch die Hauptfigur des Buchs - den Frauen huldigt. Offensichtlich haben sie für ihn eine Ähnlichkeit mit Sand: `Das Wandelbare, Flüchtige und Vergängliche sei eingeschrieben`. Ob die Frauen, die in dem Buch vorkommen, auch so denken, lässt Kraft in seiner Kritik offen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.08.2000
Andreas Breitenstein beklagt in seiner Rezension zunächst die von ihm diagnostizierte Ablösung der "literarischen Kultur" durch die Naturwissenschaften, die seiner Ansicht nach offensichtlich ein großer Irrtum bzw. Irrweg ist. In einem gewagten Schlenker kommt er von diesem Standpunkt aus auf Schrotts Novelle zu sprechen, bei der er zwar eine ähnliche Tendenz auszumachen scheint, allerdings stellt er fest, dass sich dies bei dem Autor nicht zu einer "Weltanschauung" entwickelt hat. Er lobt an Schrotts Novelle, dass "sie die Objektivität wissenschaftlichen Erkennens mit der Subjektivität persönlichen Erlebens verbindet". So schildert Schrott die Erlebnisse des Protagonisten in der Wüste weniger unter einem wissenschaftlicher Sichtweise, sondern vielmehr seine Faszination durch das "Singsang des Sandes", die sinnliche akustische Wahrnehmung. In solchen Passagen verbinde er Autor "moderne Wissenschaftstheorie und Poetologie", findet Breitenstein. Dass viele Dinge in dieser Novelle geheimnisvoll bleiben, gehört für Breitenstein zu ihren Stärken, ebenso wie die einfache Sprache, die Schrott hier benutzt.
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