Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Englischen von Renate Orth-Guttmann. Eine Frau aus der irischen Unterschicht nimmt ihr Leben in die Hand. Paula Spencer ist 48 Jahre alt, Witwe und seit vier Monaten und fünf Tagen trocken. Außer dem soliden Job in einer Putzkolonne bringt ihr der Aufschwung in Irland nur wenig ein. Ihr größtes Problem - ihre Kinder: Jack wartet nur darauf, dass sie wieder zur Flasche greift. Die erfolgreiche Nicola ist irritierend selbstgerecht. Und Leanne ist selbst Alkoholikerin geworden. Allen Demütigungen zum Trotz kämpft Paula sich voran und wird endlich zur Protagonistin ihres eigenen Lebens. Roddy Doyle versteht es meisterhaft, Menschen eine Stimme zu verleihen, die im Leben zu kurz kommen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2009
Mit Paula Spencer, irische Ex-Trinkerin, Putzfrau und um neues Selbstbewusstsein ringende Heldin von Roddy Doyles neuem Roman, wünscht Wolfgang Schneider sich ein Wiedersehen. Schneider ist fast sicher, dass der Autor ihn nicht enttäuschen wird, schließlich tauchte Paula bereits in Doyles "Die Frau, die gegen Türen rannte" auf. Außerdem erscheint Schneider die sich mit dieser Gestalt eröffnende Perspektive vielversprechend, "positiv, aber unkitschig". Wo selbst das Zubereiten einer Gemüsesuppe wieder als zivilisatorische Errungenschaft erscheint, findet Schneider, ist für den Leser etwas zu gewinnen. Zumal sich Schneider dank Doyles lakonischer, aber dichter und zärtlicher Darstellung der Figur Paulas Seelenleben ganz gut erschließt. Manchmal allerdings fühlt sich der Rezensent wie in einer Soap, doch das geht vorüber. Schneiders grundsätzliche Frage, wieso existentielle Not wie hier durch eine gleichfalls existentiell bedroht scheinende Syntax, nämlich mittels Stakkato-Sätzen und Minimalgrammatik dargestellt werden muss und nicht durch "Thomas-Mann'sche Satzgeflechte" vielleicht ästhetisch vorteilhafter transportiert werden kann, bleibt allerdings im Raum stehen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.12.2008
Ebenso beeindruckt wie begeistert feiert Rezensent Friedhelm Rathjen die Rückkehr des Schriftstellers Roddy Doyle zu Paula Spencer, der Protagonistin des Romans "Die Frau, die gegen Türen rannte", über eine ehemalige Alkoholikerin aus der britischen Unterschicht - aus Rathjens Sicht Doyles bislang bestes Buch. Doyle sei auch diesmal Ungeheuerliches gelungen. Nicht nur, dass das Werk bei aller "thematischen Bedrückung" geradezu heiter ausgefallen sei. Es habe auch einen tiefen Untergrund des Ungesagten, in dem der Rezensent die existenzielle Bedrohtheit dieser Frau ebenso spüren kann, wie das Talent des Autors, seinen Leser in die Lektüre eben jener ungesagten Dinge einzuüben. "Paula Spencer" sei auch nicht einfach eine Fortsetzung des ersten Paula-Spencer-Romans, denn deren Geschichte werde nicht mehr in der Ich-Form, sondern aus der dritten Person erzählt, und zwar "durchgängig im Präteritum" und in der "erzählten Rede". Dadurch entsteht für den Rezensenten eben jener Effekt, ganz aus dem Erleben der Protagonistin heraus zu schreiben und doch Ebenen einzubauen, in denen anderes mitschwingt.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.11.2008
Beeindruckt und bewegt hat Rezensentin Margret Fetzer diesen "bemerkenswerten" Roman von Roddy Doyle, dieses ?Großen der irischen Literaturszene? wieder zugeklappt. Wie bereits in früheren Büchern sah sie in der Geschichte der Titelheldin darin das "Nächstliegende mit dem Abwegigen" verbunden, das Irische, die Stadt Dublin "mit der Erzähl- und Lebensperspektive" einer Alkoholikerin aus der Unterschicht. Dabei findet Fetzter auch die Art und Weise höchst bemerkenswert, wie Doyle seiner Heldin Gehör verschafft. Nämlich indem er höchst geschickt mit Klischees operiere, bis man bestürzt erkenne, dass Klischees erst zu Klischees werden, ?weil sie allzu häufig? vorkommen. Es handelt sich den Informationen zufolge um eine Art Fortsetzung des 1996 erschienenen Romans ?Die Frau, die gegen Türen rannte?. Wieder komme man der Protagonistin, ihrem Leid, den Gründen für ihr Scheitern und ihrem Wiederaufstehen sehr nahe, jener Paula Spencer eben, die Margret Fetzer auch als ?weiblichen Jedermann? verstanden hat.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.11.2008
Mit "Die Frau, die gegen Türen lief" hat Roddy Doyle der Putzfrau Paula Spencer bereits 1997 einen Roman gewidmet, doch ist sein jüngstes Buch mehr als eine bloße Fortsetzung der Geschichte der vom Ehemann geprügelten, dem Alkohol verfallenen Frau aus dem irischen Arbeitermilieu, versichert Florian Kessler. Schonungslos erzählt der Autor in erlebter Rede vom zermürbenden Alltag der mittlerweile allein lebenden Paula Spencer, die im Lauf des Romans zwar ihre Alkoholsucht bekämpft und sogar einen neuen Mann kennen lernt, dem Elend ihres Lebens aber nicht entfliehen kann, so der Rezensent betroffen. Es ringt ihm Bewunderung ab, dass sich Doyle nicht scheut, Seite um Seite das dumpfe, graue und zäh vergehende Alltagsleben einer Frau zu schildern, der es nicht gelingt, sich zur "Akteurin ihrer Geschichte" zu machen. Der Roman verleiht nicht nur Frauen wie Paula Spencer, sondern einer ganzen "oft übergangenen Sozialklasse" "Würde", lobt Kessler, der das Buch als "großartig unpapieren" preist.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2008
Gebannt, als hätte er "noch nie einen Menschen begriffen" hat Rezensent Walter van Rossum diesen Roman über eine Dubliner Putzfrau gelesen und feiert den Autor für sein virtuos verfasstes "Lehrstück über die Verlogenheit des real existierenden Humanismus". Es geht, wie wir lesen, um Paula Spencer, Putzfrau und Alkoholikerin, Mutter von vier Kindern, deren sie prügelnder Mann einst als flüchtiger Mörder erschossen wurde. Paula hat eine Entziehungskur gemacht und blickt nun erwachend auf ihr Leben. Roddy Doyles Roman glänzt für den Rezensenten besonders mit Berichten von "Mikrooperationen des Alltags", Überlebensversuchen im Kriechgang, die er auf Grund ihres geradezu "verwegenenen" Minimalismus' spannender "als die meisten Kreuzzugsreportagen" findet. Und auch anrührender - die Erzählstränge über Paulas erwachsene und traumatisierte Kinder zum Beispiel. Denn dieser Autor schafft es aus Sicht van Rossums mit seiner äußersten Reduziertheit, in die "beinahe monochrome Unscheinbarkeit" seiner Protagonistin auf diesem Weg eine "leidenschaftliche Fieberkurve einzuzeichnen".
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