Die Welt ist so sicher wie nie - und so katastrophenträchtig wie nie. Das ist kein Widerspruch, sondern ein Dilemma. Unsere sicherheitsfixierte Gesellschaft hat sich in eine Sackgasse manövriert. Die Desaster der industriellen Großtechnik reißen nicht ab. Schwere Naturkatastrophen treffen uns immer häufiger, und immer öfter hat der Mensch seine Finger im Spiel. Die ökologischen Belastungsgrenzen der Erde sind erreicht. Die Katastrophengesellschaft ist störanfällig, fragil, verwundbar. Und sie ist - im Wortsinn - einsturzgefährdet; die Terroranschläge des 11. September 2001 waren ein Menetekel. Zugleich haben wir es mit einer Gesellschaft der Extreme zu tun. Statt auf existenzielle Gefahren angemessen zu reagieren, laviert sie zwischen Hysterie und Beschwichtigung. Entweder tut sie zu viel oder zu wenig, oft auch gar nichts. Vor allem aber tut sie das Falsche. Denn sie versucht ihre Probleme mit denselben Mitteln zu lösen, die sie verursacht haben. Sie glaubt allen Ernstes, mit Hilfe moderner Technik Sicherheit erlangen zu können. Ulrich Teusch beschreibt den Umgang, den wir uns mit "der Katastrophe" angeeignet haben: Sie ist das Schreckliche, das wir nicht missen möchten. Und die Politik versucht, aus der Ambivalenz Kapital zu schlagen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.10.2008
Rezensent Matthias Zimmer hat dieses Buch nicht als ausgearbeitete Theorie der technischen Gesellschaft gelesen, sondern als einen großen Essay, der sich in 21 Kapiteln dem Phänomen der Katatstrophe widmet, und zwar "zugespitzt, mitunter polemisch, in unterhaltsamer Nachdenklichkeit". Was der Rezensent dabei gelernt hat, ist, dass wir den technischen Fortschritt gar nicht mehr zu befördern brauchen, "er ist einfach da". In dem ständigen Bemühen, mehr Sicherheit zu schaffen generieren wir dabei immer größere Unsicherheiten und schließlich die Katastrophen selbst. Technik ist kein Instrument mehr, dessen wir uns bedienen, sie ist ein komplexes Großsystem, das sich der Steuerung entzieht.
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