Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 20.03.2010, 13.13 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Robert Spaemann

Rousseau - Mensch oder Bürger

Das Dilemma der Moderne

Cover: Rousseau - Mensch oder Bürger

Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2008
ISBN-10 3608942459
ISBN-13 9783608942453
Gebunden, 156 Seiten, 14,90 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aller Streit um den "wahren" Rousseau ist vergeblich. Für jede Verirrung Rousseaus gibt es auch eine Kritik, die sich bei Rousseau selbst findet. Das spätmoderne Individuum wurde schon von Rousseau unnachsichtig entlarvt. Und dennoch stilisierte sich der "arme Jean-Jacques" wie kein Zweiter vor oder nach ihm als zerrissene Persönlichkeit. Diesen fundamentalen Widersprüchen im Denken Rousseaus und seiner Persönlichkeit geht Robert Spaemann auf den Grund. Rousseau wurde zum Vorläufer des modernen Menschen, der auch das 21. Jahrhundert bestimmen wird.

BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Robert Spaemann: Rousseau: Mensch oder Bürger - mehr Informationen beim Verlagt Klett-Cotta

Möchten Sie dieses Buch kommentieren?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008

Der Jean-Jacques Rousseau, den der Philosoph Robert Spaemann in seinem Buch vorstellt, ist ein Denker, der den Menschen als paradoxes Kulturwesen auf der Suche nach wiederhergestellter Natürlichkeit begreift. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Glaube an die schlagartige Neuigkeit, die das Christentum in die Welt gebracht hat, erklärt Rezensent Henning Ritter. Damit nämlich träten die politische Gemeinschaft auf Erden und die christliche, jenseitsorientierte Gemeinschaft auseinander. Eine Folge davon sei, so Spaemann Rousseau akzentuierend, die "Rechtfertigung der Außenseiterexistenz" des Menschen - die nun wiederum in Gegensatz zu Rousseaus Ideen zum menschengemeinschaftsbildenden "Gesellschaftsvertrag" tritt. Was Spaemann so in Rousseau entdeckt, sei ein liberaler "Zivilisationspessimist". Dieses Bild des Philosophen ist es, das in diesen teils vor vielen Jahrzehnten entstandenen Aufsätzen überdauert, findet der Rezensent Henning Ritter, der manch anderen Zug von Spaemanns Deutungen für nicht mehr auf der Höhe der Gegenwart hält.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.10.2008

Christian Schlüter freut sich über den philosophisch-politischen Nachschub aus der essayistischen Feder von Robert Spaemann, der wie nur wenige die kurze Form als argumentative "Intervention"  beherrscht, so der Rezensent. Daher stellen die vier, bisher zum Teil in alle Winde verstreuten Aufsätze über Rousseau, denen gemeinsam ist, dass sie den Franzosen, um mit dem Autor zu sprechen, als "exemplarische Existenz" der Moderne begreifen, auch eine "Fundgrube" dar. Spaemann stellt die Frage nach der Modernität an den Widersprüchen und Überempfindlichkeiten Rousseaus und seiner Zivilisationskritik, in der die Natur über allem steht und sie zugleich nicht mehr zielgerichtet ist. Somit sind sowohl der Revolution wie der Restauration Tür und Tor geöffnet, die "moderne Subjektivität", die sich in Rousseau vereint, "findet durch ihn auch ihre unnachsichtige Entlarvung", wie Schlüter zitiert. In ihm fallen Anfang und Ende der Moderne zusammen, insofern gilt: "Rousseau steht uns also noch bevor", so der Rezensent.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.09.2008

Sehr angetan ist Uwe Justus Wenzel von den in diesem Band versammelten vier Aufsätzen zu Jean-Jacques Rousseau von Robert Spaemann, die bisher nur verstreut und schwer auffindbar publiziert worden waren. Der Zivilisationskritiker und Gesellschaftstheoretiker Rousseau hat seine Interpreten mit all seinen Widersprüchen und Hypochondrien schon immer zu psychologischen Erklärungsversuchen gedrängt, Spaemann allerdings begreift ihn als "exemplarische Existenz", die viel über die Zeit verrät, so der Rezensent zustimmend. Und so sei nach Auffassung des Autors auch gerade der Gegensatz zwischen dem bei Rousseau postulierten "natürlichen Menschen" und dem im politischen Kollektiv aufgehenden Bürger als exemplarisch für eine Zeit zu sehen, in der die teleologisch begriffene Natur durch eine Natur mit unbekanntem Ende abgelöst wurde.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Bücher von Lesern empfohlen

Buch: Das andere Ende der LeinePatricia B. McConnell: Das andere Ende der Leine
Aus dem Englischen von Gisela Rau. Dies ist eigentlich kein Buch über Hundeerziehung, sondern eines über ...

Buch: Sozialistische GesetzlichkeitMichael Stolleis: Sozialistische Gesetzlichkeit
Dieses Buch bietet eine erste Gesamtdarstellung der Staats-, Verwaltungs- und Völkerrechtslehre in der DDR. ...

Archiv: Bücherschauen

Vexierspielkünstler

20.03.2010: Die FAZ hat Denis Johnsons Thriller "Keine Bewegung!" gelesen und freut sich über das Gespür des Autors für kriminelle Loser. Die FR folgt der zehnjährigen Dora durch Jacques Roubauds Abenteuer und Geheimnis verheißenden "Verwilderten Park". Sehr anregend findet die NZZ Eric Hobsbawms Buch über "Globalisierung, Demokratie und Terrorismus". Die taz spürt einen Hauch von Erlösung in Don DeLillos Roman "Der Omega-Punkt". Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Francois Walter: Katastrophen

15.03.2010: Für die Natur gibt es keine Katastrophen, nur für die Menschheit. Der Schweizer Historiker Francois Walter hat eine Kulturgeschichte ihrer Bewältigung geschrieben und der Sinnsuche des Menschen: Strafe Gottes, Prüfung der Gottesfürchtigen sowie Ansporn zu neuen technischen Entwicklungen. Hier eine Leseprobe aus "Katastrophen". Mehr lesen

Betina Gonzalez: Nach allen Regeln der Kunst

11.03.2010: Im Erstlingsroman der Argentinierin Betina Gonzalez begibt sich eine Tochter auf die Suche nach den Spuren ihres Vaters, eines mittelmäßigen Bildhauers, und nimmt Kontakt mit seinen Geliebten auf. Hier eine Leseprobe aus "Nach allen Regeln der Kunst". Mehr lesen

Necla Kelek: Himmelsreise

08.03.2010: Passend zum 8. März: Necla Kelek kämpft in ihrem neuen Buch für eine aufgeklärte Lesart des Koran, informiert über Entstehung und Hintergründe und stellt fest: Auf den Koran kann sich nicht berufen, wer für Kopftuch und fünf Pflichtgebete am Tag plädiert. Lesen Sie hier ein Kapitel aus "Himmelsreise". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren