Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 21.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Hans Pleschinski

Ludwigshöhe

Roman

Cover: Ludwigshöhe

C. H. Beck Verlag, München 2008
ISBN-10 3406576893
ISBN-13 9783406576898
Gebunden, 560 Seiten, 24,90 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Die drei Geschwister Berg - Clarissa, Monika und Ulrich - machen ein vertracktes Erbe. Ihr Onkel Robert bedenkt sie mit gewaltigen und weit verzweigten Vermögenswerten, allem voran mit einer Villa am Starnberger See. All dies könnte sie auf einen Schlag von ihrem ermüdenden, nicht unbedingt aussichtsreichen Existenzkampf befreien. Aber er macht ihnen eine Auflage: Sie müssen dieses Haus als Hort und Zufluchtsort für Lebensmüde betreiben und ihnen auch das eine oder andere nützliche Utensil bereithalten; nicht nur rechtlich eine Gratwanderung. Voller Skrupel und Ängste, aber auch scharf aufs Erbe öffnen die Geschwister die Villa an der Ludwigshöhe für eine stetig wachsende Zahl von "Finalisten". Da findet sich eine verzweifelte Verkäuferin neben dem Bühnenbildner mit gewissen körperlichen Defiziten ein, eine ausgebrannte Lehrerin neben einer vereinsamten Schauspielerin, eine medikamentenabhängige Witwe neben der liebeskranken Domina, ein bankrotter Verleger, aber auch eine erst 17jährige syrische Immanitin, die Angst hat, Opfer eines Ehrenmords zu werden. Während die Geschwister den Keller des Hauses mit praktischen Kühltruhen füllen, machen die Moribunden fast gar keine Anstalten mehr, ihrem dunklen Drang zu folgen. Die alte Villa erlebt ein Fest des Lebens - der kuriosen Beziehungen, Gespräche, Annäherungen und Abstoßungen, neuer Liebe und Lebensmutes.

BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Leseprobe beim C.H. Beck Verlag

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.06.2009

Wow! Kurt Flasch kann sich gar nicht erinnern, wann zuletzt er ein so großartiges "Erzählbuch" gelesen hat. Die von ihm bemühten Vergleiche, um die Sensation dieser Lektüre zu beschreiben, reichen von Beckett über Heine bis Musil. Dabei hört sich der Plot erst einmal wie eine etwas papierne Fallstudie an: Drei Geschwister, die auf Anweisung ihres Erbonkels eine Art Zauberberg für Lebensmüde gründen, um zu sehen, ob sich passiv Sterbehilfe leisten lässt. Hmm. Flasch aber kann bald feststellen, dass Hans Pleschinski nicht nur ein glänzender Stilist ist, sondern auch den nüchtern-neugierigen Blick auf den Stadtmenschen und seine Spleens beherrscht. Das von den Geschwistern initiierte Projekt, freut sich Flasch, gerät zum Katastrophen-Panorama, das die Unsterblichkeit schließlich als Fluch erscheinen lässt. Dabei strapaziert der Autor außer den grauen Zellen auch gehörig die Lachmuskeln des Rezensenten. Ein Buch, jubelt Flasch, "originell, todernst und heiter".

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.10.2008

Eingenommen ist Jens Bisky von Hans Pleschinskis Roman "Ludwigshöhe". Das Werk zeigt für ihn, wie unsere Gesellschaft verfasst ist, wie wir leben. Er sieht darin ein "Panorama der bundesdeutschen Gegenwart", obwohl es nicht, wie man vielleicht erwarten würde, in Berlin spielt, sondern in München und am Starnberger See. Dass Pleschinski die "Neugier und die Illusionen des Deutungsbetriebes" souverän ignoriert, kann er nur begrüßen. Im Mittelpunkt der Geschichte sieht Bisky die Geschwister Berg, die ihr Erbe nur unter der Bedingung antreten können, dass sie eine Villa für Lebensmüde, eine Art Selbstmörderhospiz einrichten. Was sie dann auch tun und schnell großen Zulauf finden. In zwanglosen Episoden erzähle Pleschinski vom Abschied seiner Protagonisten aus der gewohnten Welt und berichte, wie in der Villa gleichsam eine neue Gesellschaft entsteht. Mit hohem Lob bedenkt Bisky den Konversationston, den Pleschinski meisterhaft beherrscht. Sein Fazit: ein "virtuoser Roman" über "Trostlosigkeit und Freude der Gegenwart".

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.10.2008

Kurzweilig und hintergründig findet Barbara von Becker diesen Schelmenroman aus dem Luxusaltersheim von Hans Pleschinski. Bevor es freiwillig ans Sterben geht, drehen die lebensmüden, an Defekten der modernen Lebens- und Arbeitswelt leidenden Bewohner der exklusiven Villa Ludwigshöhe noch mal richtig auf, und in den meisten Fällen dürfte die Todessehnsucht fürs Erste zurückgestellt werden. In dem nicht immer nach den "Gesetzen der Wahrscheinlichkeit" komponierten Roman wendee Pleschinski Moralsatire auf den Zeitgeist an und entwerfe ein Panoptikum einer an sich selbst krankenden Gesellschaft, in der der "Tod zum Programmfehler heruntergekommen ist", wie Becker aus dem Roman zitiert, durch den sich ein lockerer, elegant ironischer Plauderton zieht, der auch "steile sprachliche Manierismen nicht scheut" und sich zum Stilprinzip den Stilbruch gemacht hat, so von Becker.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

Mehr Bücher aus dem Themengebiet

blog comments powered by Disqus
Anzeige
C.H. Beck bei Facebook

Archiv: Bücherschauen

Uangenehm plausibel

11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Joan Didion: Blaue Stunden

09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Maria Sonia Cristoff: Unbehaust

06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen

Lisa Kränzler: Export A

02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren