Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Das Mittelalter ist ein Paradox: Düster und romantisch zugleich, aufregend fremdartig, aber auch Wurzel für Vieles, das uns heute prägt - kurzum, das Mittelalter ist ein Reservoir für unsere Wünsche, vor allem jedoch für die Bedürfnisse nach einem ganz anderen, ursprünglichen und authentischen Leben. Von kaum einem Zeitalter hat die Moderne so lustvoll geträumt wie von dieser fernen, aber immer neu inszenierten Epoche; meistens funktionierte sie als bedrohlich verlockender Rückspiegel. Auch die wissenschaftliche Erforschung dieser wundersamen Epoche hat sich nie im luftleeren Raum abgespielt. Gerade Mittelalterhistoriker waren den Vorstellungen ihrer eigenen Zeit von edlen oder weniger edlen Rittern, Burgfräuleins, tüchtigen Bürgern, gelehrten Mönchen und trutzigen Bauern eng verbunden. Sie fanden stets, was sie suchten. Anders gesagt: Mittelaltergeschichte handelt immer von der Gegenwart ihrer Erforscher. Aber was geschieht mit dem Rückspiegel Mittelalter - eine der großen Chiffren christlich-europäischer Kultur - angesichts der Globalisierung am Beginn des 21. Jahrhunderts?
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Das Mittelalter hört nicht auf - eine Leseprobe bei C.H. Beck!
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.03.2008
Erfrischend findet Urs Hafner Valentin Groebners Essay zur Lage der Mediävistik. Der Professor für mittelalterliche Geschichte und deutschsprachige Mediävistik hält darin seinen Kollegen, die sich über zunehmende Bedeutungslosigkeit ihres Fachs und über populärkulturelle Aneignungen des Mittelalters beschweren, eine glänzend geschriebene Standpauke, freut sich der Rezensent. Gegen die Nörgeleien setze der Autor einen Abriss der Geschichte der Mediävistik, die klarstellen soll, dass historisches Erzählen immer ein subjektives Unterfangen ist, erklärt der Rezensent, der diese These zwar nicht gerade für neu hält, sie bei Groebner aber stilistisch brillant und pointiert vorgetragen sieht. Zudem bleibt der Autor auch nicht bei der Zustandsbeschreibung, sondern richtet mit seinem Essay auch einen Appell an die Kollegen, das Klagen einzustellen und sich stattdessen beherzt mit den Aufgaben der Gegenwart auseinander zu setzen. Die sieht er unter anderem darin, die eigenen "Wünsche", aus denen heraus Historiker das Mittelalter interpretieren, aufzudecken, so der Rezensent interessiert.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2008
Mit großem Lob bedenkt der hier rezensierende Mediävist Michael Borgolte diesen Essay über das historische Erzählen: geistvoll, pointiert und glänzend formuliert, findet er ihn. Autor Valentin Groebner, Mittelalterhistoriker an der Universität in Luzern, gehört außerdem zu der seltenen Spezies, die einen Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Leben herstellen kann, so Borgolte. Interessiert folgt er den Ausführungen Groebners über Mittealterphobie und Mittelalterphilie von Petrarca bis Johannes Fried und Michael Crichton. Außerdem hebt er Groebners Plädoyer hervor, die Mediävistik möge sich von der Beschränkung auf das lateinische Mittelalter lösen und die Araber, Mongolen, Byzantiner, Juden und Slawen in ihre Forschung einbeziehen. Hierzu merkt Borgolte allerdings an, dass dieser Paradigmenwechsel in der deutschen Forschung sich nicht nur abzeichnet, sondern sogar erste Früchte trägt.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.03.2008
Bestechend und originell fand Hans-Jürgen Linke den brillant formulierten Essay über die Erfindung des Mittelalters durch die Romantik. Zwar ist die These unter Historikern nicht mehr ganz taufrisch, aber Groebner zielt innerhalb seiner eigenen Zunft auch darauf ab "die Epoche der Naivität zu beenden", sprich sich als Mediävist angesichts der Forschungsergebnisse auch der belasteten jüngeren deutschen Geschichte zuzuwenden, dem Kaiserreich und "Dritten Reich". Der Rückgriff auf Helden und Mythen des Mittelalters füllte im frühen 19. Jahrhundert das Vakuum einer als "defizitär empfundenen Gegenwart" und diente den entstehenden europäischen Nationalstaaten zur Legitimation ihrer Gründung. Der deutsche aggressive Nationalstaat unter Kaiser Wilhelm und später unter Hitler bediente sich angesichts modernster Waffentechnik weiterhin aus dem Fundus mittelalterlicher Heilsgeschichte. Das Berufsbild kommender Mediävisten müsste sich nach Groebner demnach aus ganz anderen Elementen zusammensetzten, so der Rezensent.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Homer: Die Odyssee
Die "Mutter aller Erzählungen" - in der Prosafassung von Christoph Martin, erzählt von Dieter ...
Heinrich Meier: Über das Glück des philosophischen Lebens
Die "Reveries" von Jean-Jacques Rousseau sind das schönste und das gewagteste Buch des Genfer Philosophen, ...
Archiv: Bücherschauen
Seefahrergeschichten
08.02.2012: Die SZ feiert Michael Ondaatjes Geschichte seiner Schiffspassage von Sri Lanka nach England "Katzentisch". Auch Petur Gunnarssons Kindheitserinnerungen "Punkt Punkt Kommas Strich" kann sie sehr empfehlen. Als großes Vermächtnis würdigt die NZZ die "Römische Sozialgeschichte" des ungarischen Althistorikers Geza Alföldy. Sehr beeindruckt ist sie auch von Norbert Hummelts neuem Gedichtband "Pans Stunde". Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen
Hanna Krall: Rosa Straußenfedern
30.01.2012: Briefe, Fragmente, Zettel und Erzählungen erzählen vom Leben der polnischen Autorin Hanna Krall, ihrer Freunde und Zeitgenossen. Der Zweite Weltkrieg, die Volksrepublik Polen, Solidarnosc, vergegenwärtigen sich in ihrer Biografie. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Rosa Straußenfedern". Mehr lesen








