Ich werde ... um der Kinder willen meine Position als Deutscher bis zum Letzten verteidigen, schreibt der aus einer Bankiersfamilie stammende Erich Alenfeld 1937. Den Weltkriegsoffizier und deutschen Patrioten stempeln die Gesetze des Dritten Reiches zum jüdischen Rassenfeind. Dennoch entscheidet er sich, mit seiner arischen Frau Sabine und den beiden Kindern Irene und Justus in Berlin zu bleiben. Trotz aller Gefahren helfen die Eltern anderen bedrohten Menschen. So wird Martha Liebermann, die Witwe des Malers Max Liebermann, von Erich Alenfeld fürsorglich betreut. Nach ihrem Freitod 1943 sorgt er für ein würdiges Begräbnis. Vierzig Jahre später entdeckt Irene Alenfeld im Nachlass ihrer Eltern Hunderte von Briefen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Sie findet Hinweise darauf, wie es zu der Entscheidung kam, in Deutschland zu bleiben. Die bewegenden Schriftzeugnisse hat sie zu einer ergreifenden Familienbiografie verarbeitet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2008
Einen zwiespältigen Eindruck hat Irene Alenfelds Buch "Warum seid ihr nicht ausgewandert?" bei Rezensentin Birgit Aschmann hinterlassen. Sie berichtet, dass die Autorin bei der Auflösung der elterlichen Wohnung zahlreiche Briefe gefunden hat, die sich ihre Eltern, ihr jüdische Vater Erich und ihre "arische" Mutter Sabine während des Nationalsozialismus geschrieben haben. Als Sammlung dieser Briefe, die das Leben in einer "privilegierten Mischehe" in Berlin zwischen 1933 und 1945 dokumentieren, begrüßt sie das Buch ausdrücklich. Die Fragen, die die Autorin angesichts dieser Briefe aufwirft, verdeutlichen für Aschmann allerdings, dass es sich bei dem Buch in erster Linie um "die persönliche Sinnsuche einer Betroffenen" handelt. Sie hält fest, dass Alenfeld ihr Buch als "Mischung aus Literatur und Wissenschaft" verstanden wissen möchte. Ihr scheint es allerdings weder das eine noch das andere zu sein.
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