2 Teilbände mit 725 Abbildungen. Jede Kultur erbringt spezielle Leistungen. Die griechische glänzte durch Kunst, Wissenschaft und Philosophie, die römische durch Politik, Recht und Bautechnik. Der Beitrag des kleinen Juda und Jerusalems für die Weltkultur war der Monotheismus, der Glaube an den einen Gott. Eine frühere Form des Monotheismus, die des Echnaton, blieb Episode. Der jüdische Monotheismus hingegen ist vom Christentum und vor allem vom Islam übernommen und so ein Element der Weltgeschichte geworden. Seit zwei Jahrhunderten gelten diese Religionen vielen als besonders aggressiv und den Frieden gefährdend. Othmar Keel rekonstruiert Schritt für Schritt die stufenweise Entstehung des Monotheismus im Rahmen der Geschichte Jerusalems im 1. Jtd. v.Chr. Er legt dar, auf welche Einflüsse aggressive und intolerante Züge zurückzuführen sind, und mit welchen Argumentationsfiguren man sie schon damals einzudämmen und zu überwinden versuchte. Unter Berücksichtigung der internationalen Forschung, besonders der israelischen, angloamerikanischen und deutschsprachigen, analysiert er die biblischen Texte und ergänzt deren Zeugnis durch das außerbiblischer Texte, archäologischer, epigraphischer und ikonographischer Daten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.01.2008
Rezensent Bernhard Lang zeigt sich tief beeindruckt von Othmar Keels umfangreicher Studie über den Ursprung des Monotheismus. Überzeugend führt der Freiburger Alttestamentler dem Rezensenten vor Augen, dass Jerusalem als Geburtsstadt der monotheistischen Religion anzusehen sei. Der Ausgangspunkt des Monotheismus liege dabei in einer theologischen Konzeption, die unterschiedliche Götter durch Gleichsetzung zu einem einzigen Wesen integriere. Fasziniert folgt Lang der Rekonstruktion der verschiedenen theologischen Richtungen, die sich von der Gründung Jerusalems bis zum Jahr 63 v. Chr. ausgebildet und die Geschichte der Stadt bestimmt haben. Er schätzt die überzeugende und klare Darstellung der integrativen Theologie der frühen monarchischen Zeit, der nationalistischen Theologie der ausgehenden Königszeit und die universalistische Theologie des Monotheismus. Dabei weist Lang darauf hin, dass das Werk für Fachleute geschrieben und mit seinem "reichen, fast unerschöpflichen Apparat von Detaildiskussionen und Quellenhinweisen" für Laien weniger geeignet ist. Sein Fazit: ein "achtunggebietendes Standardwerk".
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