Bücherschau der Woche
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Klappentext
Gustav von Achenbach, ein deutscher Kultursoziologe und Experte für postkoloniale Architektur, reist Ende 2006 nach Habana, wo er auf sexuelle Abwege gerät. Auch die politischen Träume haben sich gewandelt. Die vormals so prächtige Stadt Havanna ist zu einem Ruinenhaufen verkommen, der Diktator Fidel Castro liegt im Sterben. Achenbach lässt sich willenlos durch die schmutzigen Straßen treiben, sucht in der aufgeheizten Atmosphäre Havannas schnellen Sex. Der Berliner Schriftsteller Hans Christoph Buch hat seit drei Jahrzehnten immer wieder Kuba besucht, kennt Land und Leute aus eigener Anschauung und hat selbst an der Universität von Habana unterrichtet. Seine neue Erzählung ist ein Versuch, Thomas Manns berühmte Novelle "Tod in Venedig" neu zu schreiben - vor dem Hintergrund der quälend langen Agonie des "maximo lider" Fidel Castro und des von ihm geschaffenen Systems, dessen morbidem Charme der Autor sich nicht entziehen kann und will.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.02.2008
Als "Liebeserklärung an Kuba", nicht aber seine greisen Herrscher, versteht Rezensent Christoph Ludszuzweit diese Erzählung Hans Christoph Buchs, die sich nicht nur im Titel an Thomas Manns "Tod in Venedig" anlehnt. Auch Buch lässt seinen Helden - Gustav von Achenbach (!) - in die Falle von Begierde, Entwürdigung und Tod laufen, entwickelt aber die Geschichte gänzlich anders als Mann, versichert der Rezensent, den erstaunt, dass der in sexuellen Details bisher so zurückhaltende Autor Buch in dieser Erzählung so explizit wird. Und weil Castro auch gerade seinen Rücktirtt von allen Ämtern angekündigt hat, findet der Rezensent, dass das Buch irgendwie zur rechten Zeit kommt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2008
Wolfgang Schneider begrüßt Hans Christoph Buchs Erzählung "Tod in Habana", in dem der Kultursoziologe Achenbach durch das zerfallende, stinkende Habana wankt, immer auf der Suche nach schnellem Sex mit jungen Männern. Angesichts des höchst gekonnt gespannten Netzes von Bezügen, Anspielungen und Zitaten auf Thomas Manns "Tod in Venedig" verbietet es sich in Schneiders Augen, von einer "billigen Parodie" zu sprechen. Schneider sieht in Buchs Erzählung vielmehr eine gelungene Travestie. Er schätzt sie darüber hinaus als düsteren und entschiedenen Abgesang auf die kubanische Revolution und das in Agonie dahin vegetierende kommunistische System. Das Werk markiert für ihn das Ende einer der letzten großen Illusionen der 68er-Generation. Besonders beeindruckt hat Schneider die schwüle und bedrohliche Atmosphäre, die der Autor schafft, eine Atmosphäre, in der Sex und Tod untrennbar zusammengehören. Der "Cuba-si-Fraktion" hierzulande wird das Buch nach Schneiders Überzeugung ein Ärgernis sein: "Freuen dürfen sich die Freunde meinungsstarker und zugleich formal feingeklöppelter Literatur."
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.01.2008
Daraus, dass sie sich auf Thomas Manns "Tod in Venedig" bezieht, macht diese Novelle von Hans Christoph Buch kein Geheimnis. Im Titel nicht, der zugleich die Ortsverlagerung der Geschichte anzeigt, und im Namen der Hauptfigur "Aschenbach" noch viel weniger. Dieser ist nun ein Kultursoziologe, auf Kuba unterwegs, wo er es mit dem Strichjungen Ariel zu tun bekommt. Innerhalb dieses Rahmens geht es in der Geschichte freilich drunter und drüber - wenn man Alexander Garcia Düttmanns Aufzählung glauben darf - zwischen "Schwulst" und Sachlichkeit, Sex und Literatur, "Gemeinplatz" und Thomas-Mann-Aneignung sowie -Verwandlung. Dem Rezensenten aber hat das "Mäandern" gefallen, er lobt das Buch, das offenkundig so manches andere nebenbei auch ist, als "vor allem witzig".
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