Einer der großen Einzelgänger der deutschsprachigen Lyrik zeigt sich mit seinem neuen Gedichtband in allerbester Tagesform. Wie kein zweiter geht Ingold mit der Doppelfunktion der lyrischen Sprache um, mit Klang und Sinn, er holt die verborgenen Subtexte ans Licht, dekonstruiert den klangschönen Schein der Oberfläche, bis das karge Konzentrat eines verborgenen Sinns erscheint, und ist bei all diesen linguistisch und ästhetisch so avancierten Schreibweisen doch immer leicht, verspielt und aufmerksam; diese Gedichte scheuen auch nicht vor Kalauern und parodistischen Scherzen zurück, die der Erlebniswelt des modernen Gedichts und seinem vielfältigen Formenreichtum ganz respektlos ihre Reverenz erweisen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.01.2008
Eingenommen zeigt sich Rezensent Samuel Moser für Felix Philipp Ingolds Gedichte aus dem Band "Tagesform", des letzten Teils seiner Trilogie auf die Zeit. Mosers bedient sich in seiner Besprechung einer bilderreichen, interpretationsbedürftigen Sprache, die nicht ohne weiteres als Musterbeispiel an Klarheit und Verständlichkeit gewertet werden darf. Originell scheint allerdings sein Deutungsansatz: Die mit "Zwerg", "Berg" und "Werk" beginnenden drei dreiteiligen Gedichte des mit "(Exit:)" überschriebenen Ausgangsstücks des Bands regen ihn dazu an, das lyrische Schaffen Ingolds als eine Art "Zwergbergwerk" zu interpretieren: der Dichter fördere die Wörter aus dem Dunkel ans Tageslicht, in dem sie aufblitzten und verlöschten. Überhaupt scheinen ihm Ingolds Verse auf Spuren aus, auf "Adern im Sprachgestein". Allerdings förderten die Gedichte nicht Sprache, sondern "Wort, Laut, Buchstabe". Bedeutung verschafften sie sich dabei selber oder eben auch nicht. Denn: "Ingold ist nicht der Autor, der sie dazu zwingt."
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