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Klappentext
Wie kein Zweiter hat Nietzsche unser Denken beeinflusst. Zu seinem 100. Todestag legt Rüdiger Safranski etwas vor, was es bisher noch nicht gegeben hat: eine Biographie von Nietzsches Denken. Eines Denkens, das existentiell ist, weil es um die Gestaltung des eigenen Lebens geht, das experimentell ist, weil darin die ganze Erkenntnis- und Moraltradition auf den Prüfstand gestellt wird, und das exemplarisch ist in seinen Antworten auf das Problem des Nihilismus. Ein außergewöhnliches Buch, das die Abenteuer dieses Denkens erzählt und zugleich die Bilanz seiner Wirkungen zieht.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.09.2000
Tom Peuckert ist restlos begeistert von diesem Buch. Der Autor habe weitgehend auf rein biografische Fakten verzichtet und sich stattdessen der Entwicklung von Nietzsches Denken gewidmet. Dies gibt Gelegenheit für eine "behutsame Wiederlektüre" der Texte des Philosophen und bietet eine "Rekonstruktion eines Gedankenkosmos", so der Rezensent anerkennend. Dem Leser würden "faktenreiche und bestechend luzide Exkurse" geboten, deren Erkenntnisse sinnreich in die Geistesgeschichte der Zeit eingeordnet werden. Nicht umsonst stehe Safranskis Bücher auf der Bestsellerliste, denn der Autor zeichne sich durch die Fähigkeit aus, auch komplexe philosophische Gedankengänge mit "großer Klarheit und Gelassenheit" nachzuzeichnen, schwärmt der Rezensent und bescheinigt dem Buch begeistert "Lebensklugheit".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.08.2000
Christoph Türcke weist zunächst darauf hin, welche Risiken gerade in einer Nietzsche-Biografie liegen. Denn einerseits habe Nietzsche selbst schon seine Autobiografie - wenn auch indirekt - vorweggenommen, zum anderen müsse ein Autor zwangsläufig scheitern bei dem Versuch, "hinter sein Geheimnis zu kommen". Recht angetan ist Türcke daher von dem vorliegenden Band, zumal es Safranski nach Ansicht des Rezensenten eher darum geht, Nietzsches Leben und Denken "plastisch hervortreten" zu lassen. Türcke lobt dabei Safranskis Balance zwischen Emphase und Distanz, seinen Verzicht auf "postmoderne Extravaganzen, Rück- oder Vorblenden", seine Sprache und nicht zuletzt die gute Lesbarkeit des Buchs. Etwas verwundert zeigt sich der Rezensent jedoch darüber, dass Nietzsches Krankheiten und auch der Wahnsinn hier fast überhaupt nicht thematisiert werden, auch dort nicht, wo dies in seinem Denken eine deutliche Rolle spielt. Auch das Kapitel zur Nietzsche-Rezeption hätte nach Türckes Ansicht ausführlicher ausfallen können. Besonders gelungen findet er allerdings, dass Safranski Nietzsche hier nicht als "übersensiblen Schmerzensmann" - wie das neuerdings recht populär ist - darstellt und auch aufzeigt, inwiefern Nietzsche selbst für so manche fragwürdige Deutung hinsichtlich des Faschismus` mitverantwortlich ist.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.08.2000
Uwe Justus Wenzel kann diesem Buch sehr viel mehr abgewinnen als Safranskis Abhandlung über Heidegger und erklärt sich dies mit der Nähe des Autors zu dem "extremistisch veranlagtem Selbstsucher" Nietzsche, der - wie Wenzel erläutert - nicht einfach über sein Leben nachdachte, sondern dieses dezidiert so führte, dass es etwas zum Nachdenken gab. Wenzel geht in seiner Rezension auf zahlreiche Einzelheiten des Buchs ein. Summa summarum lobt er die "bemerkenswert facettenreichen, dabei überaus lesenswerten Interpretationen" des Autors. Nur einige wenige Aspekte hebt er als fragwürdig hervor. So zeige Safranski bisweilen eine Tendenz zum "Psychologisieren", etwa da, wo es um Nietzsches Ringen um "Lebensbejahung" geht. Lobenswert findet Wenzel jedoch, dass Safranski deutlich die Maskenspiele Nietzsches aufzeigt, einen Nietzsche, "der sich immer neue Formen anmisst, Masken schafft und wieder zerbricht - bis er selbst zerbricht".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.08.2000
Nach Christian Schlüter hat der Autor in seinem "erbaulich geratenem und flüssig geschriebenen" Buch vor allem die Bedeutung der Musik für Nietzsche in den Mittelpunkt gerückt. Denn nur mit Hilfe der Musik könne man, so referiert er Nietzsches Überzeugung, der Langeweile des Lebens entgegen treten. Selbst die Sprache hilft nicht weiter. "Sie hätte singen sollen, diese `neue Seele` - und nicht reden!", fand Nietzsche, allerdings ergänzt Schlüter, dass die Bedeutung der Musik ohne den kulturellen Kontext bedeutungslos bleibt. In diesem Zusammenhang versuche Safranski mit dem "Zweikammersystem" den Konflikt zu erklären: Der einen Kammer der Leidenschaften steht die des Maßes, der Regulierung entgegen. Dies löst nach Schlüter zwar nicht den Konflikt, könne ihn aber durch "geschicktes Herumlavieren" entschärfen. Safranski geht es, wie der Leser erfährt, keineswegs um eine Vermittlung der beiden Sphären und erläutert dies mit einem Beispiel aus der heutigen Zeit. So könne man Unvereinbares doch gleichzeitig tun, wenn man mit dem Walkman im Ohr joggen geht: "Apollinisch (...) joggt er, dionysisch hört er". Schlüter kontert polemisch und fragt nach, ob damit durch die Pop-Kultur "die ideologischen als auch die sozialen Kämpfe verschwunden" sind.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.08.2000
Rüdiger Safranskis Nietzsche-Buch zeigt, dass man philosophisches Denken durchaus erzählen kann, ohne dabei der Ernsthaftigkeit einen Bärendienst zu erweisen, meint Rezensent Klaus Podak. Die Stärke des Buchs liegt, so Podak, eben darin, dass der Autor Nietzsches Gedanken mit großer Feinfühligkeit nachspüre und sie erzähle, statt "mit ihrer Wucht zu nötigen, zu überwältigen". Vom eigenen Nachdenken werde der Leser dabei keineswegs befreit. Mehrere Aspekte in diesem Buch hebt der Rezensent besonders hervor: zum einen die Herausstellung eines ordnenden Prinzips in Nietzsches Denken, das dieser selbst mit zwei nebeneinander existierenden `Hirnkammern` zu fassen versuchte: Einerseits die Wissenschaft und andererseits die Nicht-Wissenschaft. Im einen liege die Kraftquelle, die `geheizt werden` muss, im anderen das Regulierende, das der Überhitzung vorbeugt. Ein anderer Punkt, den Podak mehrfach hervorhebt, ist Safranskis Darstellung des Musikalischen bei Nietzsche. Dabei ist weniger Nietzsches eigenes Komponieren gemeint, als vielmehr die Rolle, die Musik in seinem Denken und in seiner Sprache spielten. Dass Safranski nicht als Apologetiker auftritt und auch Nietzsches "Tollheiten" nicht glättet, gehört für Podak schließlich zu einer der großen Stärken dieses Buchs. Der Autor eröffne "Zugänge" zu Nietzsches Denken und zeige dabei gleichzeitig dessen "unauflösbare Vieldeutigkeit".
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