Bücherschau der Woche
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Cyrille Offermans
Warum ich meine demente Mutter belüge
Klappentext
Aus dem Niederländischen von Walter Kumpmann. "Meine Mutter glaubte, es sei Krieg, nicht im übertragenen, sondern im blutig-ernsten Sinn des Wortes. Man habe sie gefangengenommen, und sie werde nun vom Feind bewacht. Es war ihr ein Rätsel, wie wir unbehelligt durch die feindlichen Linien gelangt seien und sie gefunden hätten." Aus nächster Nähe, mit der Genauigkeit der Liebe beschreibt Cyrille Offermans das Schicksal seiner alten, dement werdenden Mutter: Die ersten Anzeichen wie Vergesslichkeit, Verwirrung und Misstrauen, und wie schwer die plötzliche Distanz zu ertragen ist. Wie die Aufnahme ins Heim unvermeidlich wurde, weil es keine gemeinsame Realität mehr gibt, wenn die innere Welt eines Menschen sich auflöst. Die eigene Scham und die Schuldgefühle, die ständigen Zweifel, ob man als nächster Angehöriger, als Sohn, das Richtige tut. Und wie es dennoch möglich ist, mit den Schwächen des Alters und den eigenen zu leben: in Würde, achtsam, liebevoll.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2008
Melanie Mühl ist ergriffen von dieser außergewöhnlichen Lektüre. Allerdings beeilt sie sich zu versichern, dass der Autor keinesfalls um das Mitleid seiner Leser buhle. Dafür erscheint Mühl der Ton, den Cyrille Offerman wählt, zu lakonisch. Wenn Mühl zwischen den Zeilen die Traurigkeit des Sohnes spürt, dessen Mutter an Demenz erkrankt ist, geht es ihr dennoch nahe. Zu detailreich und schonungslos sind die Schilderungen über das Älterwerden, über die "stumme Verzweiflung" der Mutter und die Qualen des Sohnes, der hilflos zusehen muss.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.12.2007
Ulrich Stock hofft, dass das etwas unglückliche Cover von Cyrille Offermans Buch über das Leben mit seiner dementen Mutter keine Leser von dieser empfehlenswerten Lektüre abhalten wird. Davon abgesehen lobt er den Bericht nämlich ausnahmslos für seine eindrückliche, gänzlich unsentimentale Darstellung der ganz alltäglichen Schwierigkeiten, die das Leben mit einer dementen Angehörigen mit sich bringt. Dass der niederländische Autor auch die durch den fortschreitenden Gedächtnisverlust durchaus komischen Momente beschreibt, weiß der Rezensent als entlastend zu schätzen und er meint, dass Angehörige in diesem Buch, das keine medizinische Diagnose stellen, sondern den Lebensalltag mit der Demenz schildern will, vieles wieder erkennen werden. Ein berührendes Buch, das allerdings nur diejenigen schockieren wird, die keine Erfahrung mit dementen Menschen haben, so Stock.
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