Aus dem Amerikanischen von Klaus Binder. Adorno trifft Shakespeare. Das klingt nach einer unmöglichen Begegnung, und Missverständnisse scheinen vorprogrammiert. Hier der große Theoretiker der Frankfurter Schule, der Verfechter des Eigensinns der Kunst, dem das Wort "Kunstgenuss" kaum über die Lippen kam und der sein ganzes Leben gegen die kulturindustrielle Barbarisierung der Kunst angeschrieben hat; dort der Superstar des Elisabethanischen Zeitalters, der gewiefte Entrepreneur und stadtbekannte Schriftsteller, dessen Stücke in einem der ersten kommerziellen Theater seiner Zeit ein Massenpublikum in den Bann schlugen. Wahrheit gegen Entertainment. Geist gegen Geld. Geht das überhaupt zusammen?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.12.2007
Dass Stephen Greenblatt mit Adorno "nicht eigentlich viel" zu tun hat, findet Peter Michalzik in diesem Bändchen mit den Adorno-Vorlesungen Greenblatts bestätigt. Aber auch dass Greenblatt fähig ist, sich anders als durch Nähe Inspiration zu Shakespeare-Investigationen zu holen, weiß er jetzt. Greenblatt jedenfalls gelingt es, dem Rezensenten Shakespeare über Begriffe Adornos ("Autonomie", "Negativität") nahezubringen und die Lektüre zu einer "beglückenden Reise in die Vergangenheit" werden zu lassen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.11.2007
Wilhelm Trapp begrüßt diese drei Vorlesungen über Autonomie bei Shakespeare, die der amerikanische Literaturwissenschaftler und Shakespeare-Biograf Stephen Greenblatt im Rahmen der Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2006 gehalten hat. Besonders reizvoll scheint ihm der Kontrast zwischen Adornos Auffassung der Shakespeare'schen Individualität und der des Autors, der als Anhänger des New Historicism Literatur aus ihren historischen Kontexten verständlich zu machen sucht und die Autonomie des Ästhetischen eher kritisch betrachtet. Gespannt folgt er Greenblatts Untersuchung des Autonomiegedanken bei Shakespeare. Deutlich wird für ihn darüber, "dass der Dichter bereits die zerstörerischen, mörderischen Konsequenzen dieser erst keimenden Idee auslotete."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.11.2007
Innovativ und unterhaltsam findet Rezensent Thomas Leuchtenmüller die Shakespeare-Analysen des Literaturtheoretikers Stephen Greenblatt aus dessen Adorno-Vorlesungen des Jahres 2006. Als Verfechter des New Historicism legt Greenblatt in seinen Vorlesungen den Einfluss des sozio-kulturellen Kontexts auf die Literatur exemplarisch an Shakespeares Werk und dessen Betonung von "Autonomie, Individuation und Negation" dar und widerspricht damit Adornos These von der "Autonomie des Kunstwerks". Dabei beweist er sich, wie der Rezensent findet, als würdiger Erbe Shakespeares und seiner mit den Adorno-Vorlesungen zuvor betrauten prominenten Kollegen.
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