Aus dem Englischen von Karin Miedler und Enrico Heinemann. Das Buch, das den Papst zum Schreiben seines Jesus-Buches veranlasste: Neusner, ein Rabbiner des 20. Jahrhunderts, mischt sich in Gedanken unter die Menschen, die sich bei der Bergpredigt um Jesus scharen und ihm zuhören. Er hört genau zu, und er fängt mit diesem Buch ein Gespräch mit Jesus an. In sieben Kapiteln beleuchtet er zentrale Aussagen Jesu - und er fragt nach, er argumentiert, er stellt den Worten Jesu die Lehren der Tora entgegen und erzählt Geschichten des Talmud. Ein redliches und kluges Buch, das mit viel Respekt auf den Punkt bringt, was Christen und Juden voneinander trennt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2007
Jan-Heiner Tück hat sich mit großem Interesse mit dem Buch von Religionswissenschaftler und Judaist Jakob Neusner beschäftigt, dessen Neuauflage er als einen Diskussionsbeitrag zu Papst Benedikt XVI. Buch "Jesus von Nazareth" wertet. In seinem Text versetzt sich Neusner in die Rolle der damaligen Hörer der Bergpredigt hinein und legt dar, warum er Jesus dennoch nicht nachgefolgt wäre, teilt der Rezensent mit. Dabei wende sich der Autor gleichermaßen gegen christologische Bemühungen, das Judentum Jesu in den Vordergrund zu rücken, wie auch gegen jüdische Versuche, Jesus als "Rabbi von Nazareth" anzuerkennen, so Tück weiter. Gefesselt vollzieht Tück die Debatte zwischen Papst und Autor nach und erkennt Übereinstimmung in der Abkehr von der seit der Aufklärung erstarkenden "Wahrheitsskepsis", indem beide ihren Glauben an eine Wahrheit bekunden. Und der Rezensent findet es schon beachtenswert, dass in der Diskussion, die Neusner im Untertitel der englischen Ausgabe von 1997 anregt, sich erstmalig ein Papst mit einem Rabbiner "auf Augenhöhe" auseinandersetzt.
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