Die "revolutionären Kader" der Rote Armee Fraktion, Bürgerkinder allesamt, wollten das Volk gegen die Obrigkeit aufwiegeln. Am Ende wurde es, wie von Heinrich Böll befürchtet, ein "Krieg von sechs gegen sechzig Millionen". Das Gruppenprojekt war alles zwischen lächerlich und größenwahnsinnig, doch mit ihrem Furor gelang es der RAF und ihren Nachzüglern, die Republik von der Frankfurter Kaufhausbrandstiftung 1968 bis in die neunziger Jahre in Atem zu halten. Das Unbehagen, das die Terroristen in der Wohlstandsgesellschaft verspürten, verband sie mit einem großen Teil ihrer Generation.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.12.2007
Rezensent Arno Widmann hat mit Interesse gelesen, was Willi Winkler über die Geschichte der RAF und über ihren einstigen Rückhalt in der Bevölkerung zusammengetragen hat - auch wenn er mit einigen Thesen des Autoren gar nicht einverstanden ist. Beispielsweise findet er fragwürdig, ob die RAF wirklich eine Reaktion auf die elterliche "Tätergeneration" war - schließlich gab es vergleichbare Bewegungen in vielen "westlichen Demokratien". Es macht also in Widmanns Augen wenig Sinn, die Geschichte der RAF als "kleines Stück Geschichte der Bundesrepublik" zu erzählen. Gelungen findet Widmann aber, wie der Autor den Rückhalt unter Intellektuellen reflektiert - auch wenn man "dergleichen kaum offen diskutieren kann". Etwas störend empfindet der Rezensent, dass Winkler sich bisweilen zu sehr mit der anvisierten Leserschaft verbündet. Dass er oft impliziert, dass der Leser "auf die gleiche Art Bescheid weiß wie der Autor", kann irritieren - sollte er aber nicht, denn die Lektüre ist nach Widmanns Meinung trotz einiger inhaltlicher Differenzen durchaus lohnend.
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