Aus dem Französischen von Elisabeth Ranke. Stephane Audeguys zweiter, von der französischen Presse gefeierter Roman, malt ein farbenprächtiges Bild des Jahrhunderts der Aufklärung und bürstet dabei mit subtiler Ironie die Geschichte gegen den Strich. Denn sein Held ist Francois Rousseau, der unbekannte Bruder des berühmten Jean-Jacques Rousseau, ein gebildeter Lebemann, der die Geburt der Demokratie aus etwas anderer Sicht schildert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2008
Eigentlich hat Niklas Bender den Roman über den so ganz gegensätzlich ausgerichteten Bruder des Schriftstellers und Philosophen Jean-Jacques Rousseau recht hoffnungsfroh zur Hand genommen, nicht zuletzt, weil er einen gewissen Überdruss gegenüber dessen Schriften bekennt, am Ende aber ist er doch enttäuscht, weil Stephane Audeguy nicht das aus dem Thema gemacht hat, was seiner Ansicht nach drin gewesen wäre. Der französische Autor schildert in seinem Roman Francois Rousseau als hedonistischen, vor allem nach sexuellen Genüssen strebenden Menschen, der seinen Neigungen folgend als Mechaniker von "Lustmaschinen" in Bordells seinen Lebensunterhalt bestreitet, erzählt der Rezensent. Bender ist davon überzeugt, aus dem Stoff wäre mehr zu machen gewesen und bedauert, dass Audeguys anfänglich noch durchaus faszinierende Erzähllust im Zug der Geschichte zum "lauwarmen Selbstläufer" wird.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 04.10.2007
Francois Rousseau, der Titelheld von Stephane Audeguy, ist der Bruder des ungleich berühmteren Philosophen. Er hat gelebt, so viel weiß man über ihn, viel mehr aber nicht. Viel Raum also für die Fantasie des Autors, der die Biografie des Francois Rousseau entsprechend als Gegenentwurf zu der des großen Aufklärers anlegt. Francois arbeitet im Bordell, stellt "Geräte für die Sinnesbefriedigung der feinen Gesellschaft" her, landet neben dem Marquis de Sade in der Bastille und kann sich nur wundern, an welche Kleinigkeiten sich Jean-Jacques in seinen "Bekenntnissen" so alles - und dann auch noch falsch - erinnert. Manches gerate Audeguy, findet der Rezensent Joseph Hanimann, etwas "schematisch", insgesamt aber scheint ihm die Grundidee, dem emphatischen einen eher abgeklärt-pragmatischen Aufklärer gegenüberzustellen, reizvoll umgesetzt. Sprachlich orientiere sich der Autor überzeugend am "glatten Gestus des 18. Jahrhunderts", und Elsbeth Ranke habe das Buch "mustergültig übersetzt".
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