Ein Buch im Fast-forward-Modus. Über die Liebe. Über das Leben. Und über Leichen. Was "Die fabelhafte Welt der Amelie" für den Liebesfilm war, ist dieses Buch für den Liebesroman: ein Liebesroman für Menschen, die eigentlich keine Liebesromane mögen. Eri ist 22, heißt eigentlich Augusta und wohnt in einer Penthousewohnung im 12. Stock. Ihre Mitschülerinnen nannten sie boshaft "Eritrea", weil sie mit 13 so dürr war. Der Spitzname blieb, auf die ersten Silben verkürzt. "Eri sieht passabel aus, findet ihre 156 cm etwas zu klein, mag Pistazieneis und lustige Filme, bevorzugt schwarz-weiß. Lacht selten, außer wenn sie irgendwo das Wort Notarzt hört." Das hat mit den letzten Worten ihres Vaters zu tun. "Ruuuf den Notar", hatte der auf dem Sterbebett geröchelt, und es hatte eine Weile gedauert, bis die Tochter dahinterkam, "daß für das z und das t seinen Lippen keine Spannkraft geblieben war". Eri arbeitet als Putzfrau in einem Pornokino. Dort hat sie sich in Angelo verliebt, aber der ist ein Stricher und "schwul bis in die Zehennägel". Also muss sie ihre Jungfräulichkeit irgendwie anders verlieren. Aber gilt ihre Sehnsucht nicht viel eher dem Silberfräulein aus der Fußgängerzone?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2007
Trotz der Kürze des vorliegenden Werks verhaspelt sich Rezensent Oliver Jungen etwas im Nacherzählen des Plots - es geht irgendwie um ein magersüchtiges Mädchen, eine Frauen-WG, tragische Bewunderer, Pornos, und einen toten, zu beseitigenden Vater -, aber er versteht es dennoch, mit launiger Prosa und Freude am Zitat für dieses neue Büchlein Helmut Kraussers zu werben. Bewundernd streicht er die Souveränität heraus, mit der Krausser den Misserfolg des monumentalen Vorgängerwerks "Eros" durch Kürze und Pointenreichtum pariert. Auch der spezifische Wortwitz Kraussers findet die amüsierte Zustimmung des Rezensenten.
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