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Jan Assmann
Erinnertes Ägypten
Pharaonische Motive in der europäischen Religions- und Geistesgeschichte
Klappentext
Mit zum Teil farbigen Abbildungen. Auf Glasfenstern in der Kathedrale von Chartres sind die vier Evangelisten dargestellt, wie sie auf den Schultern alttestamentlicher Propheten stehen: Zwerge auf den Schultern von Riesen. Zwerge, die auf den Schultern von Riesen stehen, blicken weiter als diese: dies Sprichwort ist in den Glasfenstern dargestellt. Nehmen wir dieses Motiv als eine Allegorie des kulturellen Gedächtnisses, vermittels dessen sich jede Gegenwart auf den Sockel einer Vergangenheit stellt und aus dieser Position heraus sich in die Zukunft orientieren kann, und zugleich als ein Leitmotiv für unsere Spurensuche nach altägyptischen Ideen und Motiven in unserer abendländischen Welt! Die Frage lautet dann, ob das Abendland nicht nur auf den Schultern der alttestamentlichen Propheten und der griechischen Philosophen und Dichter, sondern auch, zumindest ein wenig, auf den Schultern der altägyptischen Priester und Gelehrten steht. Ich will diese Frage in den ersten drei der folgenden Kapitel anhand von drei verschiedenen thematischen Komplexen beleuchten, die ich mit den Begriffen "Erlösung", "Hieroglyphen" und "Mysterien" überschreibe. Die letzten beiden Kapitel ergänzen dieses Bild um die Betrachtung der beiden bekanntesten Ägypten-Opern: Mozarts Zauberflöte und Verdis Aida. Die eine illustriert in paradigmatischer Weise das Thema "Mysterien", die andere die historische Wende, nach der Ägypten nicht mehr als Gegenstand der Erinnerung, sondern der wissenschaftlichen Erforschung (und Ausbeutung) im Blick steht.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.07.2007
Aufschlussreich findet Rezensent Arno Widmann dieses Buch, in dem der Ägyptologe Jan Assmann die "Summe seiner Forschungen" über das Nachleben der ägyptischen Kultur in Europa vorgelegt hat. Der Autor führt dem Rezensenten überzeugend vor Augen, dass entscheidende Ideen des Christentums eigentlich ein Erbe Ägyptens sind. Neben frappierenden Ähnlichkeiten von ägyptischen Darstellungen der Isis mit dem Horuskind und den christlichen mit der den Jesusknaben stillenden Maria hebt Widmann die altägyptische Vorstellung von einem jüngsten Gericht sowie die ebenfalls ägyptische Idee der Menschwerdung Gottes hervor. Lobend äußert sich Widmann auch über die gut verständliche Darstellung des Autors, der uns Ägypten näher bringe, "damit wir uns besser begreifen".
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