Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Aus dem Englischen von Werner Roller. Mörderische ethnische Säuberungen sind, so die zentrale These Michael Manns in diesem Buch, die dunkle Seite der Demokratie. Ethnische Säuberungen haben sich nicht nur gemeinsam mit dem Prozess der Demokratisierung ausgebreitet, vielmehr haftet dem demokratischen Nationalstaat selbst ein organizistischer Nationalismus an, der danach strebt, demos und ethnos, Staatsvolk und Abstammungsgemeinschaft, deckungsgleich zu machen - wenn nötig mit Gewalt. Er beschreibt die wichtigsten Fälle - den Siedlerkolonialismus in Nordamerika, den Massenmord an den Armeniern, die nationalsozialistische Vernichtungspolitik, die kommunistische Gewalt unter Stalin, Mao und Pol Pot, den ethnischen Bürgerkrieg in Jugoslawien, den Genozid in Ruanda. Gegen eine naive Idealisierung der Demokratie stellt er fest, dass demokratisch verfasste Nationalstaaten auf den Gräbern ethnisch gesäuberter Gebiete errichtet worden sind, und prophezeit, dass zumindest auf der Südhalbkugel der Erde dieser Prozess der Errichtung ethnisch homogener Staaten noch nicht abgeschlossen ist. Seine Analyse bietet jedoch auch historische Gegenbeispiele, wie etwa Indien oder Indonesien, die zeigen, dass nicht minder konfliktreiche Prozesse der Staatenbildung nicht zwingend mit ethnischen Säuberungen einhergehen müssen.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.08.2007
Beeindruckt zeigt sich Thomas Speckmann von diesem Buch des amerikanischen Soziologen Michael Mann über die "dunkle Seite der Demokratie". Überzeugend führt der Autor für ihn die Zusammenhänge der Demokratisierung der Welt und der Perfektionierung von ethnischen Säuberungen vor Augen. Für die Thesen Manns spricht seines Erachtens die historische Statistik, die ethnische Säuberungen als ein im Wesentlichen modernes Phänomen erweist, was der Autor zudem an zahlreichen Beispielen belegt. Die Schwäche von Manns Buch sieht er in dem Umstand, dass die detailliert beschriebenen ethnischen Säuberungen wie die Massenmorde an den Armeniern, die nationalsozialistische Vernichtungspolitik, die kommunistische Gewalt unter Stalin, Mao und Pol Pot, der Bürgerkrieg in Jugoslawien oder der Genozid in Ruanda nicht von Demokratien, sondern von Autokratien und Diktaturen durchgeführt wurden. Allerdings leugne Mann nicht, dass stabile, institutionalisierte Demokratien viel weniger zu ethnischen Säuberungen tendieren. Aber er halte den liberalen Demokratien ihre in dieser Hinsicht keineswegs glorreiche Vergangenheit vor. Zustimmend äußert sich Speckmann über Manns düstere Analysen, wonach das Phänomen, heute vor allem in der südlichen Hemisphäre, weiter um sich greifen wird.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.06.2007
Bestnoten vergibt Rezensent Stefan Breuer an diese Untersuchung, aus seiner Sicht die mit Abstand eindrucksvollste über das Phänomen der ethnischen Säuberung, die es zur Zeit in deutscher Sprache gibt. Zwar verlange das Buch seinen Lesern ein hohes Maß an Komplexitätstoleranz ab. Auch beschreibt Michael Mann aus Sicht des Rezensenten allzu zweifelsfrei die ethnische Säuberung als dunkle Seite der Demokratie und vernachlässigt andere Deutungsmöglichkeiten, die dem Rezensenten plausibler scheinen. Doch die imposante Matterialfülle,eine sorgfältig ausgearbeitete Typologie der Gruppengewalt, Manns Kraft zur erzählerischen Verdichtung, eine umfassendeAuswertung der Fachliteratur sowie eine Besonnenheit im Urteil die aus Breuers Sicht ihresgleichen sucht, machen das Buch zum Ereignis. Der Verlag wird für seinen Mut, der Übersetzer für die flüssige Lesbarkeit der deutschen Fassung sehr gelobt.
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Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








