"Altern ist nichts für Feiglinge", meinte Mae West. Die hatte gut reden, sie war ja kein Mann. Denn Männer sind Feiglinge. Wenn ein Mann im Leben an den Punkt gelangt, wo er die Wahrheit sagen muss, heißt es: lügen, lügen, lügen. Unser Mann in "Mein Melaten" steht an dem Punkt. Er wird älter und das mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Denn mit dem Alter nehmen die Probleme nicht - wie manche meinen möchten - ab, sondern - ganz im Gegenteil - zu. Von der Zunahme der Probleme im Alter handelt der Methusalem-Roman.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.04.2007
Rezensent Stephan Opitz findet es schwer, sich dem Sog dieses Buches zu entziehen - auch wenn die Lektüre bisweilen schweres Unbehagen bei ihm auslöst und er "Mein Melaten" oft "gerne weglegen würde". Eine "schonungslose Beobachtung eigenen Altwerdens" ist dem Autor Hermann Kinder in seinen Augen gelungen. Opitz ist auch beeindruckt von der Balance, die dem Autor gelingt. Kinder wandelt auf dem heiklen Grat, den körperlichen Verfall angemessen genau zu dokumentieren und dabei die Schmerzgrenze nicht zu überschreiten: "Nichts in diesem Buch ist obszön und dennoch wird alles erzählt." Dabei stellt sich beim Rezensenten unter anderem die Erkenntnis ein, dass die "Erbarmungslosigkeit biologischen Verfalls" auch nicht durch einen ironischen Aufblick gemildert werden kann.
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