Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Tusitala: Auf dem Schiff, mit dem der niederländische Admiral Roggeveen 1721 aufbrach, um das Südland zu finden, reist der schottische Arzt Dr. Clark mit Freunden und Verwandten des Dichters nach Samoa, er will Robert Louis Stevenson besuchen. Ereignisse des 19. und des 18. Jahrhunderts spiegeln sich ineinander. Torniamo a Roma: Winckelmann in Italien. Auf dem Vesuv "brieten wir Tauben an dem feurigen Flusse und nahmen unsere Abendmahlzeit nackt ein". Concert spirituel: "Stationen im Leben des Komponisten Antonio Rosetti - sein Requiem wurde bei der Trauerfeier für Mozart in Prag aufgeführt - in Wallerstein, Ludwigslust und leider nur beinahe in Berlin.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.07.2007
Als "wunderbare Fantasien" bezeichnet Rezensent Yaak Karsunke diese Erzählungen, in denen sich Hans Joachim Schädlich drei "kunstbegeisterten" Männern widmet, denen das Leben "das Herz so schwer gemacht" hat und die dennoch viel zu früh vom Tod ereilt wurden. Dabei montiert Schädlich, so erklärt Karsunke, seine Protagonisten in Collagen aus historischem und fiktivem Material. Er schickt eine Expedition los, um Robert Louis Stevenson auf Samoa zu besuchen, Johann Joachim Winckelmann lässt er in einem Triester ermorden und den böhmischen Hofkapellmeister Frantisek Rösler, genannt Francesco Rosetti sich zu Tode arbeiten. Auch wenn sich Karsunke in seinem Urteil zurückhält, lobt er abschließend die Lakonie dieser "melancholischen Erzählungen".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.06.2007
Als "Metaphern für das Illusionäre allen Sehnens auf Erden" hat die begeisterte Rezensentin Beatrice von Matt Hans Joachim Schädlichs Erzählungen gelesen, der aus ihrer Sicht einer der bedeutendsten Autoren dieses Landes ist. In Schädlichs Geschichten fallen die Jahrhunderte, Kunst und Leben ineinander, weshalb sie für die Rezensentin auch die Botschaft transportieren, dass Musik, Kunst, Philosophie die Gefängnisse von Raum und Zeit sprengen und letztlich sogar über den Tod triumphieren. Besonders die Eröffnungserzählung hat es von Matt angetan, in der eine Gruppe von Menschen eine Schiffsreise durch Zeiten und Weltmeere zu Robert Louis Stevenson macht. Aber auch die Erzählungen über den Mord am Antikenforscher Winckelmann oder den Mozart-Kollegen Antonio Rosetti begeistern die Rezensentin mit vertrackter Fantasie und der unvergleichlichen Feinheit, mit der Schädlichs Protagonisten "wie Schatten durch die ihnen zugeteilten Räume der Geschichte" huschen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.05.2007
Rezensent Martin Lüdke preist den Band mit drei Erzählungen, die jeweils vom Scheitern historisch verbürgter Figuren berichten, als große Literatur. Er erhebt den schmalen Band gar in den Rang eines Lehrbuchs fürs Leben. In der ersten Geschichte macht sich eine Reisegesellschaft auf die überaus entbehrungsreiche Fahrt nach Samoa zu Robert Louis Stevenson, die zweite beschreibt minutiös die letzten Tage Johann Joachim Winckelmanns in Triest bis zu seiner Ermordung und die dritte erzählt aus der Biografie des Komponisten Antonio Rosetti, der kurz vor seiner künstlerischen Anerkennung stirbt. Autor Hans Joachim Schädlich stützt sich dabei auf historische Quellen, er erfindet nichts hinzu, erklärt der Rezensent. Ohne je larmoyant oder pathetisch zu klingen, beschreibt Schädlich geradezu sachlich drei Versionen eines Scheiterns, so Lüdke beeindruckt, der sich auch bei diesem Buch wieder einmal von der "unsentimentalen" Sprachkunst Schädlichs gefangen nehmen lässt.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.05.2007
In höchsten Tönen lobt Rezensent Alexander Cammann die drei Erzählungen dieses Bandes. Die Texte verhandeln Cammann zufolge drei historische Künstlerbiografien und vor allem verschiedene Todesarten. Bewegt spricht der Rezensent von der Magie, mit der Hans Joachim Schädlich sein historisches Material belebt und zu drei, "durch Vergänglichkeit verzauberten Erzählinseln" gestaltet hat. Zur Begeisterung des Rezensenten erreicht Schädlich diese Wirkung durch die äußerste Verknappung des historischen Materials, aus der sich auch eine erstaunliche Weisheit und Intensität der Texte ergibt. Eine Erzählung befasst sich dem Rezensenten zufolge mit dem vergessenen Komponisten und Mozart-Zeitgenossen Antonio Rosetti, der kurz, bevor er mühselig sein Lebensziel erreicht, stirbt. Eine zweite Erzählung rekonstruiere anhand historischer Gerichtsakten den Mord an dem "sehnsüchtigen Begründer der Antikenbegeisterung" Johann Joachim Winckelmann sowie den grausamen öffentlichen Hinrichtungstod seines Mörders. Die Krönung des Bändchens ist für den Rezensenten jedoch die Erzählung von der Schiffsreise einer skurrilen Gesellschaft im 19. Jahrhundert nach Samoa, wo der Schrifsteller Robert Louis Stevenson lebt, der dann aber tot ist, als die Gesellschaft die Insel erreicht.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.05.2007
Jens Bisky preist den jüngsten Band mit Erzählungen von Hans Joachim Schädlich als meisterhaft und sieht den Autor vor allem durch kluge Zurückhaltung bestehen. Der Rezensent findet es immer riskant, wenn sich ein Autor historischer Realitäten annimmt, wie es Schädlich in jeder Erzählung dieses Bandes tut. Gerade angesichts der zweiten Geschichte, die vom Mord am Kunsthistoriker Johann Joachim Winckelmann handelt, ist die Gefahr, gegenüber den historischen Figuren zu verblassen, besonders groß, wird aber vom Autor, indem er sich auf den sachlichen Bericht beschränkt, vorzüglich bewältigt, preist Bisky. Nur wenige Sätze brauche der Autor, um Szenarien zu entwerfen, und überlasse den Lesern die Wertung. So liegt für den begeisterten Rezensenten die große Kunst Schädlichs im asketischen Verzicht auf Ausschmückung und Deutung und dafür lässt er nach eigenem Bekunden jeden Roman, der sich der Üppigkeit und der Spannung verschrieben hat, liegen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.03.2007
Ein "kostbares Buch" sieht Peter von Matt in diesem Band mit drei Erzählungen von Hans Joachim Schädlich. Die Erzählungen, in denen Schädlich den Lebensgeschichten von Stevenson, Winckelmann und Rosetti nachgeht, handeln für ihn vom "lauernden Tod und seiner Sinnlosigkeit". Insbesondere die Winckelmann-Erzählung zeichnet sich seines Erachtens durch eine beklemmende Intensität aus. Bewundernd äußert er sich vor allem über Schädlichs Stil und attestiert ihm, souverän Zeugnisse, Berichte und Protokolle in seine Prosa zu integrieren. Sein Erzählen bewege sich damit stets in einer schwankenden Balance zwischen Dokument und Fiktion, wobei nie ganz klar sei, was nun Zitat aus Dokumenten sei und was sich dem freien Erzählspiel verdanke. Das Ergebnis dieses Verfahrens scheint Matt jedenfalls nicht nur absolut stimmig, sondern auch erstaunlich musikalisch und eindringlich.
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