Erst in den letzten 200 Jahren begann man, die Ehe als eine persönliche und private Beziehung zu sehen, die emotionale und sexuelle Wünsche erfüllen sollte. Sobald dies geschah, wurde freie Entscheidung die gesellschaftliche Norm der Partnerwahl, Liebe wurde der Hauptgrund zu heiraten, und als erfolgreich wurde die Ehe definiert, die den Bedürfnissen der Beteiligten entsprach. Doch diese Entwicklung hatte zur Folge, dass die Erwartungen an die Ehe immer größer wurden. Kaum hatte das Ideal der Liebesheirat über die Zweckgemeinschaft triumphiert, als das Recht auf Scheidung gefordert wurde, falls die Liebe verging. Die renommierte Familienhistorikerin Stephanie Coontz zeigt, wie wenig wir über die Geschichte der Institution Ehe wissen und wie erhellend eine Beschäftigung mit der Vergangenheit für die Zukunft unserer Paarbeziehungen sein kann.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.03.2007
Noch weniger als die Ehe sei dieses Buch zu empfehlen, kennt Rezensent Andreas Dorschel keine Gnade, obwohl er nur die Übersetzung untragbar findet, nicht den "umsichtigen" und anregungsreichen Text der Autorin. "Gründlich" zudem sei Stephanie Coontz' Studie von den Gewinnen und Verlusten der modernen Ehe und dennoch frei von falschem Tiefsinn, beispielsweise Hegelschen Sentenzen. Voltaire habe viel unterhaltsamer vom einzigen Abenteuer für Feige gesprochen. Das Kernproblem für unverbesserlich Hoffnungsvolle bestehe der Autorin zufolge darin, dass seit etwa zweihundert Jahren sowohl Liebe als auch Versorgung von der Ehe erwartet werde, also eine Art Contradictio in Adjecto. Die Liebe möge vielleicht blind machen, formuliert der Rezensent seine eigene Botschaft zum Thema, die Ehe begehe diesen Fehler mit Sicherheit nicht.
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