Habilitation. Wie hat die Literatur den Mauerfall 1989 und die Vereinigung der beiden deutschen Staaten 1990 gedeutet? Dieser Frage geht das Buch anhand von Texten ost- und westdeutscher Autoren nach. Die materialreiche Untersuchung fragt nach den symbolischen und ästhetischen Dimensionen der jüngsten deutschen Geschichte. Beschrieben wird eine Wechselbeziehung: Reagiert die Literatur einerseits auf die historischen Ereignisse, so bringt sie andererseits die Erfahrung des Umbruchs mit hervor. Zum Einsatz kommen dabei die narrativen Strategien der Verleiblichung, des Engendering und der Familiengeschichte. Mit der Analyse von Mauerfall, Währungsunion und Vereinigung setzt die Arbeit drei Schwerpunkte, die als soziosymbolische Konfliktfelder um Revolution, Ökonomie und Nation den bisherigen Gegenstand ?Wendeliteratur? historisieren und neu bestimmen.
Mit großem Interesse hat Ines Kappert Elke Brüns Habilitationsschrift zum Roman der Wende gelesen und sie fühlt sich sowohl in die Debatten zur Zeit des Mauerfalls zurückversetzt, so wie sie auch neue Erkenntnisse zum Thema gewonnen hat. Die Autorin geht der Frage nach, warum die Literatur nach dem Mauerfall trotz der aufregenden, veränderten Realität dennoch in konventionellen Erzählmustern verharrte, erklärt die Rezensentin. Sie ist von der gründlichen Studie sehr eingenommen, wobei ihr auch die Sympathie gefällt, die aus den Analysen der Wenderomane spricht. Vor allem, dass Brüns den nach wie vor erhitzten Debatten um den großen deutschen Wenderoman mit ihrer Studie nüchternde Vernunft entgegensetzt, preist die Rezensentin als verdienstvoll.
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