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zuletzt aktualisiert 10.02.2012, 17.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

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Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Peter Handke

Kali

Eine Vorwintergeschichte

Cover: Kali

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN-10 3518418777
ISBN-13 9783518418772
Gebunden, 164 Seiten, 16,80 EUR

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Klappentext

In Kali bricht eine Sängerin auf ins Handke-Land: nach Abschluss ihrer Tournee reist sie "in die Gegend gleich nebenan, hinter dem Kindheitsfluss. Dort ist der Winter noch Winter. Oder: Es ist eine Auswanderer-Gegend "Das Einzige", was ich noch weiß: Der Untergrund dort besteht bis in die tiefsten Tiefen aus Salz Kali. Auch im Sommer ein schneeweißer Bergrücken mitten in der Ebene." An jenem Ort treffen sich die unterschiedlichsten Weltenbewohner, "Überlebende des Dritten Weltkriegs, der rund um uns schon seit langem wütet, unerklärt, wenig sichtbar, aber um so böser". Die Situation dieser Desperados ist völlig aussichtslos, seit ein Kind verschwunden ist. Reisen ist für die Sängerin gleichbedeutend mit der Neuentdeckung der Welt und der anderen Menschen, Reisen erlaubt aufmerksame und zugleich gelassene Anschauung. "Ich habe im vergangenen Sommer eine Geschichte geschrieben, die von einem vermissten Kind handelt. Es heißt Andrea, so dass man nicht genau weiß, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Ich habe eine Meisterin im Wiederfinden erfunden, so eine, die geholt wird, wenn einem die Kontaktlinse in den Kies fällt."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.02.2007

Geradezu ins Schwärmen gerät Rezensent Andreas Breitenstein über Peter Handkes "Vorwintergeschichte". Dabei hat er sich nach eigenem Bekunden nur "zögerlich" an die Lektüre gemacht, sieht er sich als Rezensent im Falle Handkes doch unter starkem "Bekenntniszwang". So räumt er dann auch ein, mancher Leser werde das "missionarische Pathos" dieses Buchs unerträglich finden, und ihm selbst scheint es bisweilen in Sachen Kulturkritik und im Vorwurf der Seinsvergessenheit an die Gegenwart ein wenig dick aufgetragen. Doch letztlich lässt er keinen Zweifel daran: Er bekennt sich zu Handke. Die "schreckliche Schönheit", die "witzige Melancholie" und das "heitere Grauen", die über dem Buch liegen, haben ihn ebenso beeindruckt wie Handkes virtuoses Spiel mit Widersprüchen, Zeichen, Wundern und Motiven aus dem Hinduismus und dem Erzählfundus der abendländischen Literatur. Neben Elementen aus dem Neuen Testament, der Mystik, des Märchens, des Epos, des Initiationsromans, des Roadmovie findet Breitenstein in dem Werk auch viel romantische Bergbau-Mythologie, Fausts Gang zu den Müttern und Wagners Venusberg. Lesern, die mit dem Pathos Handkes nicht so viel anzufangen wissen, hält er entgegen, dass der Meister durchaus über "tiefgreifende Ironie im poetischen Verfahren" verfüge. Und so verortet der Rezensent das Werk zwischen "Tod ernst und pop-ironisch".

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.02.2007

Peter Handke mache seinem Ruf als Prediger wieder einmal so richtig die Ehre, meint Rezensentin Ina Hartwig, aber es sei wunderbar. Geradezu "atemberaubend" sei erneut die "stilistische und thematische" Freiheit bei dieser "Vorwintergeschichte", die in einem nicht lokalisierbaren Dorf mit einem Salzbergwerk spiele. Das Bergwerk sei ein "Symbolort" und biete dem Autor und der zentralen Liebesgeschichte einen vielschichtigen Bedeutungshintergrund, der auch Zeitphänomene wie Arbeitsemigration einschließe. Und dann sei da die "überwältigend einfache" Liebesgeschichte einer reisenden Sängerin mit dem Bergwerksingenieur. Sowohl die Sängerin als auch der Geliebte hätten traumatische Familienkonstellationen im Gepäck, und dennoch gelänge das unmögliche Glück der beiden und damit die Geschichte. Auch im ganzen Dorf kehrten nun die Lebenskräfte samt Träumen zurück und sogar ein verlorenes Kind. Rezensentin Ina Hartwig holt tief Luft und nennt die Erzählung "Kammeroper der Erlösung".

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.02.2007

Jawohl, dieser Autor gehört zum "Trüppchen der anhaltend interessantesten Größen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur", verkündet Rezensentin Ursula März an die Adresse sämtlicher Zweifler, zu denen sie sich manchmal auch selber zählt. Denn bei diesem Roman handelt es sich ihrer Ansicht nach um ein atemberaubendes Epos und "strukturstarkes, szenisches Konzentrat", in dem Peter Handke mal wieder sein ganzes beeindruckendes Talent "zur sentimentalen Aufladung ontologischer Kindlichkeitsutopien" unter Beweis gestellt hat - ihre "christlichen Erlösungsszenarien" inklusive. Im Zentrum steht den Informationen der Rezensentin zufolge eine Sängerin, die am Ende einer Konzertreise an den Ort ihrer Kindheit reist, an dem sich auch ein Kaliwerk befindet. Besonders kann Handke die Rezensentin mit seinen Cross-over-Manövern begeistern, die von Beschreibungen des "hell leuchtenden Salzpalastes" im Innern des Bergwerks über Biografisches bis zu Uma Thurmans "Kill-Bill-Kämpferin" reiche. Am Ende zieht die Rezensentin den Hut vor diesem Autor und seinem "rätselhaften" Erzähler, der mit seiner "vieldeutigen Erzählordnung" in ihr das Feuer wahren Leseglücks zu entfachen vermochte.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.02.2007

Dirk Knipphals hat sich fest vorgenommen, unvoreingenommen an die Lektüre des neuen Handke-Buchs heranzugehen, und so lässt er sich zunächst einmal ganz einfach in den Bann ziehen von der "Verklärung des Gewöhnlichen", die Handkes Bücher auszeichnet. Zu Anfang des Buches, in dem die Reise einer Sängerin in die Gegend ihrer Kindheit beschrieben wird, hat Rezensent Knipphals durchaus seine Freude an ausgesuchten Formulierungen und der sinnlichen Qualität der Handkeschen Beschreibungen. Allerdings hat dieses Vergnügen auch seinen Preis, räumt Knipphals ein. Dafür muss der Leser nämlich manche Umständlichkeit und bedeutungsschweres Raunen hinnehmen, zudem allerlei "Kulturkritisches", von dem der Rezensent vermutet, dass Handke darin seine Kritik an den Verhältnissen unterzubringen versucht. Also bis dahin, trotz einiger Störfaktoren, ist die Bilanz von Knipphals' Lektüre eigentlich recht positiv, wäre da nicht der Schluss von "Kali". Der sei einfach "schlimm" weil furchtbar kitschig und nun wünscht sich der Rezensent, er hätte das Buch nicht zu Ende gelesen.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.02.2007

Als "hochgestimmtes Epos" mit Handlung beschreibt Rezensent Willi Winkler Peter Handkes neues Buch und schwebt im Ton so empfindsam zitierend und beschwingt rezensierend darüber hinweg, dass man annehmen muss: es hat ihm gefallen. Denn auch hier kann Handke wohl überzeugen, womit er seine Fans immer überzeugt: mit der Beschwörung und Verzauberung "gottverlassener, trostloser Gegenwartswelten" bei gleichzeitigem Ausdruck seiner Wut über ihre Niedrig- und Nichtigkeit. Wesentlicher Schauplatz ist Winkler zufolge ein Kaliwerk. Die Handlung erzählt die Geschichte eines Kindes, das vor zehn Jahren verloren ging. Handke beschreibt die Wahrnehmungen einer Frau, die mit der Suche beauftragt wird. Im Verlauf des Romans erkennt Winkler nicht nur die Früchte einer reichen Lektüre von Adalbert-Stifter-Romanen bis zu Freddy-Quinn-Liedern wieder, sondern auch viele Motive und Erkenntnisse aus früheren Handkebüchern, was das Buch für ihn auch zu einer Art "Alterswerk" macht

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2007

Mit ätzender Kritik überzieht Hubert Spiegel die "Vorwintergeschichte" Peter Handkes, und das darin imaginiertre "Auenland" gleich dazu. Denn Spiegel vergleicht den imaginierten Ort, wo Handke die Handlung spielen lässt und wo Flüchtlinge des Dritten Weltkriegs zusammen leben, Salz abbauen und beten, mit Tolkiens heiler Hobbit-Welt im "Herr der Ringe". Dieses "Auenland" liegt nach Schätzungen des Rezensenten nun irgendwo in Europa, und er möchte darin "umkommen vor Langeweile". Keinerlei Überraschungen können Spiegel retten, die Geschichte um ein verlorenes Kind und eine Fremde, die sich auf die Suche nach ihm macht, läuft ab wie ein "schlechter Hollywoodfilm der fünfziger Jahre". Alles ei nicht nur vorhersehbar, sondern derart "abgedroschen", dass der Rezensent nur noch staunen kann, mit welcher "nachlässig aufgesetzten Einfachheit" Handke mittlerweile produziert. Erlösung kommt auch nach überstandener Lektüre nicht. Spiegel fürchtet nämlich, der Protagonistin im nächsten Werk wieder zu begegnen.

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