Wie werden Gefühle kulturell erzeugt? Wie können sie inszeniert und politisch instrumentalisiert werden und zu welchem Zweck? Doris Kolesch unternimmt eine Reise in die höfische Gesellschaft zur Zeit des französischen Sonnenkönigs und zeigt anhand von deren glanzvollen Festen, aber auch politischen Abhängigkeiten, wie zentral die Inszenierung kollektiv geteilter Gefühle für das Machtgefüge des absolutistischen Staates war. Ein Vergleich dieser "Gefühlsmaschinerie" unter Ludwig XIV. mit der Gefühlskultur der Salons und Theater des 17. und 18. Jahrhunderts erhellt erstmals den theatralen Charakter von Emotionen und ihre enorme soziale Bindekraft.
Diese Studie zum "Verhältnis von Leben und Nichtleben" am Hof Ludwigs XIV. in Versailles hat Rezensentin Gisela von Wysocki vor allem mit einem weit gefassten, interdisziplinären Blickwinkel beeindrucken können. Denn obwohl sie in ihren Untersuchungen über die Beziehung von Gefühl und Form, Ästhetik und Politik neue Verknüpfungen der Kulturwissenschaft zu Psychoanalyse, Anthropologie, Geschichtsschreibung oder Philosophie herstellt, wird das Thema selbst höchst präzise eingekreist und ausgearbeitet. Erhellend fand die Rezensentin auch, wie Doris Kolesch in ihrem Buch die komplexen und vielschichtigen Ausdrucksformen von Gefühl im theatralischen Repräsentationsapparat und der Versailler Etikette deutlich macht und gesellschaftliche Codes dechiffriert.
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