Nach dem Ende der nationalsozialistischen Besatzungsherrschaft in Europa sahen sich die Alliierten und die von Deutschland überfallenen Nationen, aber auch die einstigen deutschen Verbündeten und die beiden deutschen Staaten mit der ungeheuren Aufgabe konfrontiert, die Kriegs- und NS-Verbrechen der Deutschen zu ahnden. Anhand von 15 Länderstudien wird in dem vorliegenden Band erstmals systematisch gezeigt, wie unterschiedlich diese Aufgabe angegangen wurde: Die Auseinandersetzungen waren vielfach mit erheblichen juristischen Problemen und mit heiklen Fragen der zwischenstaatlichen Beziehungen und der internationalen Politik verbunden. In transnationaler und vergleichender Perspektive wird deutlich, wie stark das Interesse an einer Ahndung der Verbrechen Konjunkturen unterworfen war, wie die nationalen Öffentlichkeiten reagierten und wie das Thema den Neuanfang nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges mitprägte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.11.2006
Ein hervorragend abgestimmter Band mit dem besonderen Vorzug, auch grenzübergreifende Probleme und Einflüsse zu thematisieren: Rezensent Dietmar Süss lobt insbesondere, dass die unterschiedlichen Rechtstraditionen und kulturellen Hintergründe der beteiligten Länder, wie Polen, Frankreich oder den USA mit umfangreichen Quellenstudien analysiert werden. Im Falle der Sowjetunion beispielsweise arbeite Andreas Hilger eine klare Dominanz des Politischen bei den strafrechtlichen Kriegsverbrecherprozessen ab 1943 "präzise" heraus. Die Amerikaner wiederum griffen auf Erfahrungen aus dem amerikanischen Bürgerkrieg zurück und waren zudem flexibel in der Praxis. Auch die "kluge" Einleitung des Herausgebers Norbert Frei hat dem Rezensenten gut gefallen.
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