Sansibar hat für die Deutschen einen besonderen Klang. Der Autor schildert die Erschließung von Ostafrika durch Mission, Forschung und Handel, das Problem der Sklaverei, die kolonialen Bestrebungen von Carl Peters. Bismarck und der Sultan werden zu Gegenspielern in einer Auseinandersetzung, die auch die englischen Interessen berührt. Aus dem "Araberaufstand" entwickelt sich der erste Kolonialkrieg der deutschen Geschichte. 1890 wird der Sultan von Sansibar vom Festland verdrängt, seine Insel einem britischen Protektorat unterworfen. Aber der Helgoland-Sansibar-Vertrag, als Interessenausgleich mit England gedacht, entfaltet das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung. Bis 1914 bleibt Sansibar die unvergessene Insel, um die sich die deutsche Regierung vergeblich bemüht. Mit der Teilung Deutschlands erscheint Sansibar unerwartet wieder auf der politischen Agenda. Sansibar ist ein Erinnerungsort der deutschen Geschichte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.11.2006
Respektabel findet Rezensent Jürgen Zimmerer diese umfängliche Studie über die Geschichte der Beziehung zwischen Sansibar und den Deutschen, die Heinz Schneppen vorgelegt hat. Besonders interessiert ihn das Verhältnis des deutschen Kolonialreichs zu der ostafrikanischen Insel. Hier bescheinigt er dem Autor, jede Menge wichtige Details zu liefern und "erstaunliche Funde" zu machen. Zudem lobt er die quellenreiche Arbeit als gut geschrieben. Dennoch kann er dem Autor kritische Worte nicht ersparen. Die Studie ist seines Erachtens nicht auf dem Stand der Geschichtsschreibung, geht es darin doch fast ausschließlich um Diplomatiegeschichte, in der nur die oberste politische Ebene berichtenswert erscheint. Wichtige Protagonisten wie Carl Peters oder Hermann von Wissmann fallen damit durch den Rost. Zudem hält er dem Autor vor, das "Phantasma Sansibar" und damit Wesentliches des kolonialen Engagements Deutschlands auszublenden. Außerdem kritisiert er, dass Schneppen - abgesehen vom Sultan - sämtliche lokalen Akteure ignoriert.
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