Herausgegeben und kommentiert von Christian Reder. "Ein Essay über Projekte" von Daniel Defoe (1697) ist ein Grundlagentext zum Projektdenken der Moderne. Seine Erfahrungen als Geschäftsmann, Bankrotteur, Politikberater, Geheimagent, Journalist, Zeitungsherausgeber machen den Autor des "Robinson Crusoe" zum exemplarischen "Citizen of the Modern World", der ständig in Projekte verwickelt ist und solche, die "von öffentlichem Nutzen" sind, propagiert (Vervollkommnung des Handels, Beschäftigung der Armen, Zirkulation und Vermehrung des Staatsvermögens, einschneidende Verbesserungen im Bank-, Versicherungs- und Gerichtswesen, Reform der Betreuung geistig Kranker, Ausbau des Straßennetzes, gleichrangige Ausbildungsangebote für Frauen). Die ausführlich kommentierte Neuausgabe dieses auf Deutsch seit langem vergriffenen Textes ermöglicht es, aktuelle Debatten zur neuen "Gegenreformation" mit Anfangsphasen reformerischer Pragmatik in Bezug zu setzen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2006
Stefana Sabin ist nicht wenig erstaunt darüber, wie gut sich Daniel Defoes Essay über die Jahrhunderte gehalten hat, und das, obwohl Defoe die drängenden Themen des Jahres 1697 kommentiert. Seine Ansichten sind vom Glauben an den Fortschritt und die Moderne geprägt, und so fordert er, wie Sabin mit Genugtuung vermerkt, nicht nur eine Verbesserung der Frauenbildung, sondern auch die Einführung von "Versorgungskassen" für die Armen oder eine ans Einkommen gekoppelte Besteuerung. Aber es sind nicht in erster Linie die Vorschläge, die das Moderne des Textes für die Rezensentin ausmachen, sondern der "realistisch-kritische Blick" und der Glaube an die der Gesellschaft innewohnende Kraft zur Erneuerung. So richtig genießen konnte Sabin den dabei von Defoe angeschlagenen "gepflegt polemischen Ton" auch deshalb, weil Werner Rappl seine Aktualisierung der Übersetzung von Hugo Fischer aus dem Jahr 1890 offenbar glänzend gelungen ist.
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